Aperitivo – Die schönste Zeit des Tages

Aperitivo Grissini

Über nichts wird in Italien lieber gesprochen als über das Essen. Und das zu Recht: sind die Mahlzeiten für den Italiener doch die zentralen Rituale, die den Alltag durchbrechen und Zeit für Familie und Freunde schaffen. Das zweite Frühstück in der Bar, das stundenlange sonntägliche Mittagessen bei der Oma und das ausgedehnte Abendessen, bei dem man mit der Familie zusammen den Tag Revue passieren lässt. Und zwischendrin auf jeden Fall eine merenda, die Brotzeit, die meistens süß ausfällt. Ja und dann wäre da noch der Aperitivo, diese wunderbare Erfindung, die die unerträgliche Zeit zwischen Feierabend und Abendessen erträglich macht oder es aufgrund seiner Reichhaltigkeit gleich vollständig ersetzt. Das Wort stammt vom Lateinischen aperire (= öffnen) und erklärt damit schon die Funktion des Aperitifs, nämlich den Magen zu öffnen und auf das Abendessen hinzuführen.

Die Art des Aperitifs fällt in den einzelnen Regionen Italiens sehr unterschiedlich aus. Allen gemein ist das Prinzip: Ab dem frühen Abend findet man sich zum geselligen Beisammensein in oder vor den Bars und Kneipen ein. Ob zum recht klassischen Aperitif mit einem Bier oder Cocktail und ein paar Nüssen und Oliven, oder eben zum ausgedehnten Aperitivo con Buffet bzw. Apericena. Das Wort Apericena ist ein Konstrukt aus Aperitivo und Cena (Abendessen) und lässt Schlüsse auf die Quantität an Speisen ziehen.

Das Prozedere ist folgendes: Man zahlt einen festgelegten Preis für das erste alkoholische (oder anti-alkoholische) Getränk und darf sich im Zuge dessen an einem kalt-warmen Buffet lokaler Köstlichkeiten bedienen. Crostini (diese leckeren gerösteten Brotscheiben mit allerlei Soßen), Schinken und Salami, Gemüse, Reis- und Kartoffelgerichte, Pasta, Hähnchenschlegel, das berühmte Vitello Tonnato, Pizzahäppchen und Bruschetta – all das und noch viel mehr ist möglich und beim hungrigen Gast natürlich herzlich willkommen. Selbst Süßes trifft man manchmal an. Als Getränk wählt man entweder ein Glas Wein, eine Aperol-Mischung oder einen der klassischen Aperitif-Cocktails wie zum Beispiel den Negroni, bestehend aus Gin, Wermut und Campari.

Gerne wird der Apericena auch nach Hause verlegt und stellt eine kreativ-entspannte Art Gäste einzuladen dar, ohne dass sich der Gastgeber zuvor stundenlang in der Küche verausgaben muss. Jeder bringt mit was er gerne möchte, was gut vorzubereiten und leicht zu transportieren ist. Auf diese Weise entsteht ein abwechslungsreiches Zufallsbuffet, das an sich schon für genügend Gesprächsstoff über den ganzen Abend hinweg sorgt.

Nachahmen: unbedingt empfohlen!