Petaloso – Ein Wort geht durch Italien

Die Grundschullehrerin Margherita Aurora aus dem kleinen Ort Copparo in der Provinz Ferrara staunte nicht schlecht als Ihr Schüler Matteo in einer Arbeit ein Wort verwendete, das es in der italienischen Sprache gar nicht gibt. Matteo beschrieb eine Blume als „petaloso“ (reich an Blütenblättern). In den italienischen Wörterbüchern ist dieses Wort nicht zu finden. Grammatikalisch macht es aber durchaus Sinn, denn es setzt sich aus „petalo“ (Blütenblatt) und der Endung „-oso“ (hier: reich an) zusammen. Eine Vielzahl an Adjektiven wird genau auf diese Weise gebildet.

„Hat der 8-jährige Matteo womöglich ein neues Wort ins Leben gerufen?“, fragte sich Lehrerin Margherita und schrieb zusammen mit ihrem Schüler einen Brief an die Accademia della Crusca, die altehrwürdige Institution aus Florenz, die sich dem Studium und Bewahren der italienischen Sprache verschrieben hat.

Zu ihrer Überraschung bekamen sie eine ermutigende Antwort. Das Wort sei korrekt gebildet, schön und klar, und könne im Italienischen durchaus verwendet werden. Um offiziell Teil der italienischen Sprache zu werden müsse es jedoch von vielen Menschen gebraucht und verstanden werden, so der Sprachwissenschaftler der Accademia della Crusca. Margherita war überrascht und gerührt von der positiven Antwort und postete Fotos des besagten Briefes und die dazugehörige Geschichte auf ihrem Facebook-Profil. Auf unbeabsichtigte Weise bewirkte sie damit genau das, was die Crusca forderte: „petaloso“ zu einem häufig verwendeten und allseits bekannten Wort zu machen. Ihr Facebook-Post wurde tausende Male geteilt, #petaloso zu einem der beliebtesten Hashtags in diesen Tagen und zu dem Thema schlechthin in Italien. Sogar Ministerpräsident Matteo Renzi  widmete dieser liebenswürdigen Geschichte einen Tweet.

Wenige Tage später ging Maestra Margherita in Form eines offenen Briefes mit dem Titel „Anfang. Und Ende.“ wieder zur Tagesordnung über. Bildlich nimmt sie darin ihre Schüler an die Hand, springt mit ihnen vom Karussel herunter und kehrt mit ihnen dorthin zurück, wo sie beschützt werden sollen – in die Schule.