Italienische Momente in Essen

Ein Rundgang auf der Oldtimermesse Techno Classica –
Ein Bericht von Marcus Meyer vom Oltimerfreundeskreis Viva ItaliEN,
der uns freundlicherweise von seinem Messebesuch am zweiten Aprilwochenende berichtet.

Seit fast 30 Jahren findet jedes Jahr im Frühling die Oldtimermesse „Techno Classica“ in Essen statt. Sie ist inzwischen zur Weltmesse in Sachen klassische Automobile avanciert und mittlerweile Anziehungspunkt für mehrere hunderttausend Besucher aus der Szene. Historische Autos, meist erkennt man sie am „H“ auf dem Nummernschild, liegen im Trend, sei es als Spaßmobil am Wochenende, als gepflegter Zweitwagen oder auch als Kapitalanlage. Natürlich stehen in Deutschland die Automobile aus dem Hause Mercedes, Porsche oder VW regelmäßig im Vordergrund, doch auch die klassischen Fahrzeuge aus „Bella Italia“ erfreuen sich bei uns immer größer werdender Beliebtheit.

Halle 6 auf der Techno-Classica 2017

Wer erinnert sich nicht an die klassischen Carabinieri-Giulias von Alfa Romeo, die in den 70er Jahren eindrucksvoll an der Brenner-Autobahn standen? Aber auch, und gerade das passt zum Frühling oder Sommer, sind die historischen Fiat 124 oder Alfa Romeo Spider natürlich im Trend, wenn man an Italien denkt. Und nicht zu vergessen der Ferrari 308 GTS, mit dem Magnum schon vor über 30 Jahren auf Hawaii ermittelte.

Diese Autos gibt es natürlich reichlich in Essen zu sehen und fast jeder kennt sie. Selbst der Fiat Panda, die kultige Kiste aus den 80ern hat es inzwischen auf die Messe geschafft. Natürlich gibt es ebenso noch zahlreiche Lancia, Maserati oder Lamborghini zu sehen. Es würde aber den Rahmen des Berichtes sprengen, hier auf alle klassischen Italiener einzugehen. Ich habe deshalb drei Autotypen ausgesucht, die hier besonders beschrieben werden sollen.

Iso Rivolta blau

Da ist zunächst einmal der Iso Rivolta, das Auto, das in dem Buch „Bella Germania“ von Daniel Speck eine der Hauptrollen einnimmt. Ein Coupé oder Tourenwagen der von 1962 bis 1970 insgesamt nur 792 Mal produziert wurde. Die Firma Iso saß in Bresso, einem kleinen Vorort von Mailand, wo auch die kleine Isetta erschaffen wurde. Der Wagen mit dem amerikanischen V8-Motor von General Motors macht einen stattlichen Eindruck und ist, wenn man überhaupt mal einen sieht, meist in edlen Metallic-Tönen gehalten.

Auf der Messe in Essen waren diesmal gleich zwei Exemplare zu finden. Sechsstellige Beträge werden inzwischen für den von Bertone gezeichneten Wagen gefordert, wobei das eine gezeigte Exemplar in hellblau-metallic offensichtlich einen Käufer fand. Das Seitenfenster des Wagens ist offen und lässt den Blick frei für das schöne Interieur mit den schwarzen Ledersitzen und den Holzvertäfelungen am Armaturenbrett. Ich blicke hinein, schieße ein Foto und nehme „eine Nase“. Dieser Geruch in den Oldtimern aus jener Zeit ist einfach einzigartig. Eine Melange aus altem Leder, Benzin und Öl, man muss es einfach lieben. Warum gibt es das eigentlich noch nicht als Duftbaum? Das andere Modell eines Iso Rivolta in weiß blieb wohl stehen. Vielleicht, weil es in einer eher unscheinbaren Ecke stand.

Es geht aber auch deutlich kleiner. Den niedlichen Fiat 500 kennt jeder! Kein Auto bewegte die italienischen Massen von den 50er bis in die 70er Jahre so wie der Cinquecento. Deshalb wäre es eigentlich nichts Besonderes, diesen Wagen hier zu zeigen. Genau das hatten sich wohl auch die Clubfreunde vom deutschen Fiat 500 Forum gedacht und deshalb etwas Selteneres präsentiert.

Den Fiat 500 als Kombi mit Seitenfenstern, der offiziell Giardiniera heißt. Daneben das gleiche Modell ohne Seitenfenster namens Furgoncino. Übersetzt heißt dies Gärtnerin bzw. Lieferwagen, was schon ausdrückt, dass diese kleinen Fahrzeuge gern im Handwerk eingesetzt wurden. Und weil sie dadurch schnell verschlissen waren, haben kaum welche überlebt. Der Club hatte aber drei gut restaurierte Exemplare für die Präsentation auftreiben können, die mit schönen Firmenaufdrucken gestaltet waren. Das waren wirklich echte Hingucker!

Als drittes habe ich dann noch den Ferrari Dino ausgesucht, der offiziell Dino 246 GT heißt. Das Sportcoupé ist nach Enzo Ferraris früh verstorbenem Sohn benannt und trägt das bekannte Ferrari-Emblem mit dem springenden Pferd nicht. Trotzdem ist er inzwischen ein Vollblut Ferrari mit sechs Zylindern. Für viele Leute aufgrund seines Pininfarina-Designs eines der schönsten Autos aller Zeiten. Wer erinnert sich nicht gern an die Momente aus den frühen 70er Jahren? An Günter Netzer, der mit einem gelben Dino zum Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft fuhr. Oder an Tony Curtis, der in der Kult-Serie „Die Zwei“ als Danny Wild (an der Seite von Roger Moore) in einem roten Exemplar an der Riviera und an der Cote d’Azur entlang kurvte. Diese Serie war in Deutschland aufgrund ihrer lustigen Synchronisation besonders beliebt. Und wir Jungs liebten diesen Ferrari im Autoquartett. Jeder wollte die Karte beim Quartettspiel auf dem Schulhof oder im Schulbus haben, Handys gab es schließlich noch nicht!

Während die Dinos in den 80er und 90er Jahren größtenteils in das typische Ferrari-Rot umlackiert wurden, geht mittlerweile der Trend zurück zur Originalfarbe. Und das, wie sollte es bei Fahrzeugen aus den frühen 70ern anders sein, ist eher nicht das klassische Rot sondern eine bunte „Popfarbe“. Somit war in Essen auch eigentlich kein einziger roter Dino zu sehen. Senfgelb (giallo-senape), sprießendes Grün (verde-germoglio) oder Haselnussbraun (nocciola) sind als typische Lackierung angesagt. Dies sieht kultig und zeitgenössisch aus und nur Spötter behaupten, dass es diese Farben auch bei Omas Gardinen oder Badezimmerfliesen schon gab! Keine Diskussion, der Dino muss so aussehen!

Natürlich sind noch andere italienische Momente auf der Messe anzutreffen. Oldtimerreisen in die Dolomiten werden mit schönen bunten Prospekten beworben. Rennfahrerhelme oder Schals sind auch in grün-weiß-rot zu bekommen und selbstverständlich ist auch der ein oder andere italienische Käufer, Verkäufer oder Besucher auszumachen. Autointeressenten aus Italien erkennt man meist daran, dass sie kaum Deutsch und ein wenig Englisch beherrschen. Aussagen wie „Ah, bella macchina! Is this car for sale?“ versehen mit deutlichem Dialekt haben schon echten Charme! Andere behaupten scherzhaft, man erkennt die Italiener auch an ihren kleinen Füßen. Schuhgrößen von mehr als 41 oder 42 soll es in Italien angeblich kaum geben. Ob das allerdings der Grund dafür ist, dass bei Fiat und Alfa Romeo die Pedale so eng zusammenliegen, konnte auch auf der Messe nicht geklärt werden. Erwähnt werden sollte jedoch noch der Auftritt der Fiat Spider Freunde. Diese hatten eine komplette Espressomaschine mitgebracht und die „Barista“ verwöhnte am Stand die Interessenten mit gutem Caffè.

Nach 6-10 Stunden Messebesuch kommt natürlich irgendwann auch der Hunger. Wer hier allerdings zu italienischen Spezialitäten greifen möchte, dem sei eher abgeraten. Das Fertigstück einer Industriepizza von der „Fressbude“ ist nicht zu empfehlen. Auch die italienischen Besucher tendieren hier eher zur ruhrgebiets-typischen Currywurst mit Pommes. Da weiß man, was man hat. Wer aber auf Pizza oder Pasta nicht verzichten möchte, dem sei das ein oder andere italienische Ristorante in Essen-Bredeney oder Essen-Rüttenscheid empfohlen. Diese sind meist mit knapp 10 Minuten Fußweg vom Messeausgang gut zu erreichen und bieten viel. Für „Essen in Essen“ ist also gesorgt!

Kurz bevor ich die Messehallen dann verlassen möchte, fällt mir noch der kleine Stand eines italienischen Oldtimermagazins auf. Die Hefte zeigen schöne und interessante Bilder auf dem Titel und für 2,00 € nehme ich mir ein Probeexemplar mit, das ich zuhause dann interessiert durchblättere. Nun ja, der Text ist natürlich auf Italienisch und so kann ich mehr als die Hälfte nicht verstehen. Was soll`s? Beim Betrachten der Bilder taucht man in die italienische Szene ein und so schließt sich der Kreis.

Italiensehnsucht durfte Oltimer-Luft schnuppern
Grazie mille, Marcus Meyer!

Alle Bildrechte auf dieser Seite sind bei Marcus Meyer

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