Autor: Vanessa

Petaloso – Ein Wort geht durch Italien

Die Grundschullehrerin Margherita Aurora aus dem kleinen Ort Copparo in der Provinz Ferrara staunte nicht schlecht als Ihr Schüler Matteo in einer Arbeit ein Wort verwendete, das es in der italienischen Sprache gar nicht gibt. Matteo beschrieb eine Blume als “petaloso” (reich an Blütenblättern). In den italienischen Wörterbüchern ist dieses Wort nicht zu finden. Grammatikalisch macht es aber durchaus Sinn, denn es setzt sich aus “petalo” (Blütenblatt) und der Endung “-oso” (hier: reich an) zusammen. Eine Vielzahl an Adjektiven wird genau auf diese Weise gebildet. “Hat der 8-jährige Matteo womöglich ein neues Wort ins Leben gerufen?”, fragte sich Lehrerin Margherita und schrieb zusammen mit ihrem Schüler einen Brief an die Accademia della Crusca, die altehrwürdige Institution aus Florenz, die sich dem Studium und Bewahren der italienischen Sprache verschrieben hat. Zu ihrer Überraschung bekamen sie eine ermutigende Antwort. Das Wort sei korrekt gebildet, schön und klar, und könne im Italienischen durchaus verwendet werden. Um offiziell Teil der italienischen Sprache zu werden müsse es jedoch von vielen Menschen gebraucht und verstanden werden, so der Sprachwissenschaftler der Accademia della Crusca. Margherita war überrascht und gerührt von der positiven Antwort und postete Fotos des besagten Briefes und …

Pietrasanta – Schatzkiste der Versilia

An den Fuß der Apuanischen Alpen, etwa 30 km nördlich von Pisa, schmiegt sich ein kleines feines Städtchen namens Pietrasanta. Und es gleicht einer Schatzkiste. Es darf sich mit einer jahrhundertealten Tradition der Bildhauerei und deren großer Namen schmücken: Michelangelo Buonarroti, der polnische Bildhauer Igor Mitoraj, der lateinamerikanische Künstler Fernando Botero – alle sind sie untrennbar mit dieser Stadt verbunden. In Pietrasanta kommt vor allem der Steinbearbeitung große Bedeutung zu, wird in den unmittelbar umliegenden Steinbrüchen von Carrara doch der berühmte Santuario, der weltweit wohl beste Bildhauermarmor gebrochen. Auch der Bronzeguss erfreut sich bei den angesiedelten namhaften Künstlern großer Beliebtheit. Hat man die umliegenden quirligen Städte wie Lucca, Pisa und Florenz erst einmal hinter sich gelassen, braucht man gewiss nicht lange, um in das besondere Flair dieses zauberhaften Städtchens der Versilia einzutauchen. Ob man sich nun in einer der zahlreichen Galerien der schönen Künste widmet, das Leben auf der Piazza Duomo von einem der einladenden Restaurants aus beobachtet, durch die kleinen Gassen mit ihren stilvollen Boutiquen schlendert oder an der nahe gelegenen gleichnamigen Marina Meeresluft …

Tonda Gentile – Die freundliche Runde

Die freundliche Runde wird sie im Italienischen liebevoll genannt und unweigerlich hat man das Bild der fürsorglichen italienischen Mamma vor sich. Aber weit gefehlt! Bei der Tonda Gentile handelt es sich um eine Nuss. Natürlich nicht um irgendeine. Nein, sie gilt als die beste Haselnuss der Welt. Die unvergleichbar aromatische Nuss stammt aus einer besonders fruchtbaren Region Italiens, dem Piemont. Die Ernte erfolgt gegen Ende August, wenn die Früchte vollständig reif sind und sich vom Tragblatt lösen. Zu diesem Zeitpunkt haben sie ein besonders hohes Gewicht und einen geringen Feuchtigkeitsanteil. Dank ihrer runden Form und der dünnen Haut ist die Tonda Gentile leicht zu schälen. Ihr vergleichsweise niedriger Fettgehalt ermöglicht längere Haltbarkeit. Der mild aromatische Geschmack und das himmlische Aroma nach der Röstung machen sie so einzigartig und damit auch zu einem der beliebtesten Rohstoffe der Süßwarenindustrie. 1946 hatte ein gewisser Pietro Ferrero die Idee, die Nocciola Piemonte zusammen mit Zucker und Kakao zu einem süßen Laib, dem sogenannten Giandujot, zu verarbeiten und schuf damit den Vorläufer einer der beliebtesten Leckereien überhaupt, dem Nutella. Am liebsten wird die freundliche Runde jedoch von uns, von Hand und mit viel Liebe verarbeitet…. [wc_divider …

Warum Italienisch lernen? – Aus Liebe!

In der Geschäftswelt trifft man nicht ganz so häufig auf Italienisch, im Toskanaurlaub kommt man sehr gut mit Englisch oder Deutsch zurecht und die am weitesten verbreitete romanische Sprache ist Spanisch. Warum also Italienisch lernen? Drei ganz besondere Italienkenner verraten es uns … Beppe Severgnini Leitartikler des Corriere della Sera, Journalist der New York Times, Träger des Verdienstordens der Italienischen Republik, Tifoso von Inter Mailand und Autor diverser Bücher mit denen er professionell und humorvoll die italienische Kultur erklärt. “Aus einem ganz einfachen Grund. Niemand zweifelt daran, dass die wichtigste Sprache Englisch ist. Aber es geht darum, eine Sprache zu wählen, die man liebt. Ich kenne viele Menschen, die beschlossen haben Deutsch zu lernen, weil sie es sehr lieben. Ich glaube, dass auch und vor allem das Italienische eine Frage der Liebe ist. Das kann die Liebe zu einer Person, einer Stadt, einer Reise, zur Kunst oder zum Geruch der Luft sein. Die Wahrheit ist, dass Italien ein Land ist, dem man sich aus Liebe nähert und aus keinem anderen Grund. Dasselbe gilt auch für die Sprache.” Quelle: …

Il Civaiolo – Ein altes florentinisches Metier

Die meisten Italiener werden Sie fragend ansehen wenn Sie den Begriff Civaiolo erwähnen, denn er ist eng mit der Stadt Florenz und seiner Tradition verbunden. Es handelt sich um ein altes Metier und würde in der wörtlichen Übersetzung in Hülsenfrüchteverkäufer münden. Le civaie sind Hülsenfrüchte und essentieller Bestandteil der toskanischen Küche. Doch sie sind bei Weitem nicht alles, was der Civaiolo von gestern und heute zu bieten hat: Gewürze, Kräuter und kandierte Früchte zieren das farbenfrohe Warenangebot genauso wie Haushaltswaren, Gartenartikel, Schlüssel, Tiernahrung und Regenschutz. Es gibt nichts was es nicht gibt. Aber vor allem bekommt man dort genau das, was man in der viel beklagten Wegwerfgesellschaft so sehr vermisst. Beim Betreten eines Civaiolo stolpert man förmlich über die Säcke voller offener Hülsenfrüchte, die sich auf diese Weise am besten und längsten halten. Jeder Einkauf wird von einem netten kleinen Plausch begleitet und  höchstwahrscheinlich hat man vor Verlassen des Ladens auch noch Rezepte und Küchengeheimnisse ans Herz gelegt bekommen, die in keinem Kochbuch zu finden sind. Denn fernab von Plastikverpackungen und Fertigprodukten hat man hier noch die Gelegenheit, genau die richtige Bohne, die passende Reissorte …