Italien innovativ: Ein Haus aus dem Drucker

Mailand enthüllt ein Stück Zukunft und präsentiert auf der Piazza Beccaria im Rahmen der weltweit wichtigsten Möbelmesse Salone del Mobile das erste von einem 3D-Drucker erschaffene Haus seiner Art 

Ein Haus mit etwa 100 qm, ein Wohnbereich, Schlafzimmer, Küche und Bad. Nachhaltig, an einen beliebigen Ort versetzbar und günstiger als ein gewöhnliches Haus. Bau- oder besser Druckzeit circa 2-3 Wochen. Zukunftsmusik? Ganz im Gegenteil …

Das Projekt 3D Housing 05 – Salone del Mobile Milano 2018, Piazza Beccaria

Unter dem Motto “Technology meets Humanity” arbeiteten das Ingenieurbüro Arup und CLS Architetti mit dem Stararchitekten Massimiliano Locatelli in den vergangenen zwei Jahren mit ihrem Projekt 3D Housing 05 an einer ganz neuen Form des Wohnens. Damit sollen sich flexible und nachhaltige Bauwerke in kurzer Zeit und zu geringen Kosten realisieren lassen.

Die für die 3D-Technologie geeignete und schnell härtende Betonmischung entwickelte ein Team von Spezialisten aus dem Innovationslabor i.lab des in Bergamo ansässigen Baustoffherstellers Italcementi. Durch spezielle Düsen, die auf einen von der Firma Cybe konstruierten 3D-Druckroboter aufgesetzt werden, wird das Material in die gewünschte Form gespritzt. Auf diese Weise entstehen Schicht für Schicht die Wände des Hauses. Dach, Fenster, Türen und die Gebäudetechnik werden ergänzt, wenn das Material ausgehärtet ist.

Massimo Borsa, Leiter des Innovationslabors von Italcementi sieht in der neuen Technik einen sinnvollen Einsatz in von Naturkatastrophen heimgesuchten Regionen. Im von Erdbeben geschüttelten Italien ein nicht zu vernachlässigender Gedanke. Außerdem könnten auf lange Sicht auch finanziell weniger gut gestellte Menschen von dieser Technologie profitieren, indem der Erwerb von Eigentum durch geringere Baukosten erleichtert wird.

Im Vordergrund jedoch steht die Nachhaltigkeit in der äußerst energie- und abfallintensiven Bauwirtschaft. Diese kann durch eine niedrigere Umweltbelastung während der Entstehungsphase, den Einsatz des innovativen und recycelbaren Materials sowie der Flexibilität des fertigen Produkts erreicht werden.

Detail / Blick ins Haus. Gut erkennbar: die einzelnen “Druckschichten”

Bis zum 22. April kann das Haus im Rahmen der Design Week 2018 in Mailand besichtigt werden. Danach wird es demontiert und zum i.lab nach Bergamo gebracht, wo es wieder aufgebaut und weiteren Versuchsreihen dienen wird.

Italien imponiert durch seine kulturell einzigartige Vergangenheit. Seine Liebenswürdigkeit bewahrt es sich durch die Fortführung seiner Werte und Traditionen. Italien beweist aber auch, dass es Zukunft kann. Roter Faden bleibt ein unverwechselbarer Sinn für Ästhetik und schlichte Eleganz.

 

Einen ganz herzlichen Dank an meine Kollegen von Italcementi, die mir das Foto- und Videomaterial zur Verfügung gestellt haben, dessen Rechte ausschließlich bei Italcementi liegen.

Mehr zum Projekt unter http://3dhousing05.com/