Alle Artikel in: Kunst

Nicht hinter jedem Türchen steckt ein Weinloch

Auf einen ersten, flüchtigen Blick sehen sie tatsächlich aus wie Weinlöcher: Sie sind bogenförmig, verfügen über ein Türchen oder die Reste eines solchen, wie etwa Scharniere. Sie befinden sich auf Körperhöhe an den Fassaden mehr oder weniger herrschaftlicher Gebäude oder unter Gewölbebögen, die in eine Gasse oder Straße führen. Meist sind sie jedoch kleiner als die uns bereits bekannten Öffnungen. Sehen wir uns zwei davon etwas näher an: Auf dem ersten Bild sieht man ein Türchen, das sich nach außen öffnen lässt. Zu unseren “normalen” Weinlöchern passt das irgendwie nicht, denn diese wurden von den Bediensteten der Weinkeller betätigt – und zwar von innen! Auf dem zweiten Bild stellt man eine weitere Abweichung fest: Der Hohlraum (ohne ein inneres Holztürchen) endet in seiner Tiefe mit einer Mauer. Die stillgelegten Weinlöcher hingegen wurden bündig mit der Fassade bzw. ihren Umrandungen aus Stein zugemauert. Außerdem befindet sich in diesem Hohlraum ein Haken – ein kleiner Seilzug oder die Überbleibsel einer Vorrichtung aus Metall. Nähern wir uns dem Hohlraum und sehen nach oben, können wir mit etwas Glück …

Il Museo dell’Opera del Duomo

Nach mehrjährigen Um- und Ausbauarbeiten öffnete das Dommuseum in Florenz vor knapp anderthalb Jahren wieder seine Pforten. Höchste Zeit, es endlich zu besuchen! Auf rund 6000 qm und 3 Stockwerken dokumentiert es den Wandel des Florentiner Doms Santa Maria del Fiore vom Mittelalter bis zur Hochrenaissance. Allgegenwärtiges Zentrum des Museums ist eine originalgetreue Rekonstruktion der Domfassade nach dem Entwurf von Arnolfo di Cambio aus dem späten 13. Jahrhundert, die im 16. Jahrhundert im Rahmen eines Stadterneuerungsprogramms abgetragen wurde. Heute erstrahlt sie in voller Pracht und Größe nur wenige Meter von dem Ort, wo sie sich einst befand. Ihr gegenüber erhebt sich, einst und heute, das Baptisterium San Giovanni in Form seiner Originalpforten nach den Entwürfen von Lorenzo Ghiberti und Andrea Pisano, die bereits vor einigen Jahren Schutz im Museum gefunden haben. Man wandelt sozusagen im Paradies, wie der Platz zwischen einer Taufkapelle und der zugehörigen Kirche nach alter christlicher Tradition genannt wurde, in Anspielung an die Freude, die die frisch Getauften in Erwartung ihrer ersten heiligen Kommunion dort empfanden. Das erste Stockwerk widmet sich Brunelleschis Kuppel, deren Entstehung mit Videomaterial und …

Verrückt vor Schönheit – Das Stendhal-Syndrom

“Ich habe mich in eine Statue verliebt”. So lautet der Titel einer von Graziella Magherinis zahlreichen Publikationen und bezieht sich auf die in vielen Augen schönste Statue der Welt, den David von Michelangelo. Die damalige Leiterin der psychosomatischen Abteilung des Krankenhauses Santa Maria Nuova von Florenz beschrieb in einer 1989 veröffentlichten wissenschaftlichen Studie das sogenannte Stendhal- oder Florenz-Syndrom, jene psychosomatische Störung, die im Zusammenhang mit kultureller Reizüberflutung auftritt. Zum ersten Mal dokumentiert wurde das Phänomen wohl 1817 von  Marie Henri Beyle, eben diesem Stendhal, der nach seinem ersten Besuch von Santa Croce, einer der prächtigsten Kirchen in Florenz, sein Befinden folgendermaßen dokumentierte: „Ich befand mich bei dem Gedanken, in Florenz zu sein, und durch die Nähe der großen Männer, deren Gräber ich eben gesehen hatte, in einer Art Ekstase.  […] Als ich Santa Croce verließ, hatte ich starkes Herzklopfen;  in Berlin nennt man das einen Nervenanfall;  ich war bis zum Äußersten erschöpft und fürchtete umzufallen.“ (Stendhal, Reise in Italien) Angesichts der hohen Kunstdichte in vielen italienischen und auch anderen europäischen Städten wurden vor allem bei ausländischen Touristen, insbesondere bei westeuropäischen und …