Alle Artikel in: Reisen & Genuss

Petra Reski – Als ich einmal in den Canal Grande fiel

Petra Reski hielt Venedig für überschätzt… bis sich ihr 1991 ein Venezianer in den Weg warf. Seitdem lebt die Journalistin und Schriftstellerin in Venedig und schreibt über Italien. Entschlossen berichtet sie über die Mafia, besonders über die in Deutschland. Geschickt durchleuchtet sie den „Thriller“ um das sogenannte Killerbakterium Xylella, das angeblich für das Vertrocknen jahrhundertealter Olivenbäume in Apulien verantwortlich ist. Und sie kämpft unermüdlich gegen den Ausverkauf ihrer Herzensstadt Venedig. Ihr neues Buch „Als ich einmal in den Canal Grande fiel“ ist ein schonungsloser Bericht über die Plünderung der Lagunenstadt, ein Aufruf zum Widerstand und vor allem eine Liebeserklärung an eine der schönsten Städte der Welt.

Die Acetaia der Cavedonis

Aceto Balsamico – Das schwarze Gold von Modena

Umgeben von den sanften Hügeln der Emilia-Romagna, in Castelvetro di Modena befindet sich ein Sehnsuchtsort. In der Acetaia Cavedoni durfte ich Menschen kennenlernen, die ein jahrhundertealtes Metier in Familientradition mit unaufgeregter Selbstverständlichkeit und zugleich großer Leidenschaft fortführen. Ein bleibender Eindruck. Mein Gespräch mit Marcello Cavedoni über die Liebe zu Tradition und Familie und über das schwarze Gold von Modena: Marcello, seit 1860 gibt deine Familie die Tradition der Essigproduktion von Generation zu Generation weiter. Würdest du uns ein wenig von der Geschichte eures Familienbetriebs erzählen? Meine Familie produziert Balsamessig seit 1860. Mit meinem 10-jährigen Sohn Alessandro und meiner 4-jährigen Tochter Giorgia sind wir nun in der siebten Generation angekommen. Entstanden ist unser Betrieb aus Familientradition und Leidenschaft. Sie werden von Generation zu Generation bis zum heutigen Tag weitergegeben.  Dieses Jahr ist mein Vater Paolo Cavedoni in Pension gegangen und hat mir die Leitung des Betriebs anvertraut. Ich bin sehr stolz und glücklich, diese Leidenschaft, die mir mein Vater weitergegeben hat fortzuführen. Und ich hoffe sehr, sie wiederum auch meinen Kindern übermitteln zu können. Wo genau …

Bianca Egerer – KafFEE aus Leidenschaft

Man könnte sie für eine waschechte Italienerin halten: Bianca lebt das italienische Lebensgefühl und es steht ihr verdammt gut! Seit unserem Kennenlernen ist der Strauß meiner italienverrückten Freunde noch bunter und mein Kaffee zu Hause um Welten besser geworden. Bianca, du bist Betreiberin der KafFEEbar und bietest deinen Kunden in der Region Amberg, Regensburg und Nürnberg einen breiten Service rund um das Thema Kaffee. Ich habe dich als absolute Kaffee-Expertin kennengelernt und konnte schon viel von deinem Wissen profitieren. Ich hatte mich aber nie gefragt, wie du überhaupt auf das Thema Kaffee gestoßen bist. Es ist in der Tat so, dass ich nicht schon immer Kaffee getrunken habe. Der Kaffee aus der Filterkaffeemaschine von Mama schmeckte und bekam mir auch nicht. Erst als ich viel in Italien unterwegs war, wo man an jeder Ecke Espresso trinken konnte, kam ich auf den Geschmack. Mich interessierte, warum ich Espresso trinken konnte, bei Filterkaffee jedoch immer Magenschmerzen bekam. Ich habe mir ein italienisches Mokka-Kännchen von Bialetti und eine kleine Siebträgermaschine gekauft. Und ich habe meine Milch mit den …

„Tausend Meilen Dolce Vita“

Eine Rundfahrt durch das Land der Lebensfreude – ein Buchtipp von Marcus Meyer Es war im Sommer 2015 als die beiden Autoren Wolfgang Groeger-Meier und Michael O.R. Kröher eine außergewöhnliche Reise durch „Bella Italia“ unternahmen. Das aus den Erlebnissen geschaffene Buch beschreibt die Reise der beiden Autoliebhaber entlang der Strecke der legendären Rallye von Brescia nach Rom und zurück. Darin geht es allerdings nicht – wie man meinen könnte – um Autos, sondern um Land und Leute sowie um Kunst, Kultur, Kulinarisches und um die Sehenswürdigkeiten entlang des Streckenverlaufs. Dabei werden die altbekannten Klischees über Italien natürlich ebenso betrachtet wie das tatsächliche Leben im heutigen Italien. Das Buch, eine Kombination aus Bildband, Reiseführer und Erlebnisbericht, ist somit genau das richtige für den beginnenden Sommer und die Sehnsucht nach Normalität in Italien. Etwas, das im ersten Halbjahr 2020 natürlich überall gefehlt hat. Die Vorfreude auf Entdeckungen, auf neue Urlaubsziele und natürlich auf die Mille-Miglia-Rallye, die (eigentlich!) immer im Mai stattfindet, lässt sich beim Lesen von Seite zu Seite mehr wecken. Ach so! Natürlich sind die beiden …

Neun Geheimnisse Mailands

Ein Gastbeitrag von Stefanie Claus. Mailand, vielleicht die lebendigste Metropole Italiens, ist herrlich wandelbar und steckt voller Überraschungen. Die Hauptstadt der Lombardei hat sich gerade eine neue Skyline zugelegt und lohnt nicht nur deshalb eine Entdeckungsreise. Hier sind neun Tipps für eine Stadt, die viele zu Unrecht für hässlich halten.

Pantelleria – Die Tochter des Windes

Das Abenteuer Pantelleria beginnt für mich zu Hause in Deutschland mit einem Anruf bei Nonna Costanza, die uns für unseren Aufenthalt ein Bleibe zur Verfügung stellen wird. Einfach, aber mit allem was man so braucht, so die Freundin eines Freundes, die diesen Kontakt hergestellt und mich überhaupt erst auf die Idee gebracht hat, dieses 81 km2 kleine Eiland zu besuchen. Der klangvolle Name Pantelleria kommt aus dem Arabischen (Bent-el Rhia) und bedeutet Tochter des Windes. In der Tat ist die Luft über der Insel stetig in Bewegung, je nach Jahreszeit mal stärker und mal schwächer. Niederschläge sind selten. Natur und Mensch haben sich auf beachtliche Art und Weise der Trockenheit angepasst. Die Insel selbst ist vulkanischen Ursprungs. Lavaströme formten einst die charakteristisch schroffe Küstenlandschaft mit ihren atemberaubenden Buchten und Klippen.

Pistoia – Kulturhauptstadt 2017

Bereits vor einigen Jahren ist mir eine Stadt ans Herz gewachsen, die bislang nicht unbedingt ganz oben auf der Liste der bevorzugten Ziele der Toskanaurlauber stand. Dies könnte sich von jetzt an ändern, denn Pistoia darf sich seit Anfang des Jahres mit dem Titel Italienische Kulturhauptstadt 2017 schmücken. Egal aus welcher Richtung man auf die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz zufährt, man ist umringt vom Grün einer schier unendlich scheinenden Vielfalt an Pflanzen, denn Pistoia verfügt über die größte Dichte an Baumschulen in Europa. Und sicherlich wird sich der ein oder andere von Ihnen bei dem Gedanken ertappen, dass die heimische Terrasse doch etwas mediterranes Flair vertragen könnte. Den Blick nach oben gerichtet, eröffnet sich ein traumhaftes Panorama auf den Tosko-Emilianischen Apennin, mit seinem höchsten Punkt dem Monte Cimone. Von Florenz aus erreicht man Pistoia in nord-westlicher Richtung in etwa einer halben Stunde. Es verfügt über zahlreiche Parkmöglichkeiten, von denen aus man sich in wenigen Gehminuten mitten im historischen Zentrum befindet. Die Atmosphäre ist lebhaft und entspannt zugleich, die Menschen unaufgesetzt freundlich. Zahlreiche kleine Boutiquen machen das Einkaufserlebnis Italien zu dem, …

Sommerfrische über Bozen

In der Wartehalle der Kohlerer Seilbahn bei Bozen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Das Kassenhäuschen ist geschlossen. Man kauft das Ticket bei Ankunft an der Bergstation. Der Fahrplan besteht aus den kultigen Plastikzahlen und -buchstaben, wie wir sie aus den italienischen Bars kennen und lieben. Wo der Espresso vielleicht sogar noch für unter einem Euro zu bekommen ist.1908 nimmt die historische Seilbahn als eine der ersten Personenschwebebahnen der Welt ihren Betrieb auf. Seitdem transportiert sie über etwa 800 Höhenmeter Einheimische und Touristen auf Kohlern, den Hausberg der Bozener und grüne Lunge der Stadt. Oben angekommen eröffnet sich einem ein herrlicher Fernblick auf den Bozener Talkessel und die Dolomiten. Auf leichten Wanderwegen verschiedener Länge genießt man das, womit sich Kohlern und seine Wiesen und Wälder rühmen dürfen: Sommerfrische. Hier kann man die Seele baumeln lassen: zum Beispiel auf den Schneiderwiesen und ihrem gleichnamigen, traditionsreichen Gasthaus mit seiner einladenden Sonnenterrasse. Nach einer knapp zweistündigen gemütlichen Wanderung bietet es uns familiäres Ambiente, freundlichen Service und eine hervorragende, bodenständige Küche. Auf der Rückfahrt ins Tal lauschen wir dem lieb gewonnenen Einheimischen-Mix aus …

Escursioni Maretta Torre Vado

Escursioni Maretta

Der ersehnte Anruf Seit fast einer Woche sind wir nun schon im Salento, ganz im Süden des italienischen Stiefelabsatzes und endlich kommt der ersehnte Anruf von Davide de Giorgi. Er ist stolzer Besitzer eines geschichtsträchtigen Bootes. Früher diente es als schwimmendes Hotel und brachte als erstes seiner Art die Besucher von Torre Vado aufs Meer. Auch uns möchte Davide sein Fleckchen Heimat vom Meer aus zeigen. In den letzten Tagen war es für Juli ungewöhnlich windig und eine Ausfahrt kaum möglich. Doch heute wollen wir es unbedingt probieren, denn schon bald reisen wir wieder ab. Unser Kapitän Am touristischen Hafen von Torre Vado steht in erster Reihe ein kleines gelbes Häuschen mit dem dezenten Schriftzug Escursioni Maretta. Dort werden wir von Davide herzlich in Empfang genommen. Wir müssen sehen wie weit wir heute kommen, denn noch immer weht ein kräftiger Wind. „Keine Sorge, wir haben onda corta (kurze Wellendünung), da wird euch nicht schlecht“, beruhigt uns unser Kapitän. Dabei denke ich an die römische Gräfin, die auf eben diesem Boot vor mehr als drei Jahrzehnten sicher die griechische Insel …

Der Poet von Polignano

Durch die Gassen von Polignano a Mare zu streifen, ist ein wenig wie ein Poesiealbum zu durchblättern. Über das ganze süditalienische Städtchen hinweg verteilt ziert dieselbe Handschrift Mauern, Treppen, Türen und vieles mehr. Auch bewegliche Gegenstände werden nicht verschont. Hinter diesen Zitaten, Versen und Lebensweisheiten verbirgt sich Guido il Flâneur, wie er sich selbst nennt. Polignano a Mare steht für eine historische Alststadt mit malerischen Gässchen, schicken Boutiquen, modernen Bars, landestypischen Restaurants und schließlich und vor allem für sein Panorama, das einem besonders in den frühen Abendstunden den Atem stocken lässt.

Die Nudel-Frauen von Bari Vecchia

Unter dem Arco Basso in Bari Vecchia, der gepflegten und verwinkelten Altstadt von Apuliens Hauptstadt Bari, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Vor ihren Wohnungen sitzen Damen an recht provisorisch aufgebaut scheinenden Tischen und zaubern tagein tagaus die für Bari und Apulien so berühmten orecchiette. Der Teig besteht aus Wasser und Hartweizengrieß. Aus dem frisch zubereiteten Teig formt sie zunächst schmale Rollen, trennt davon etwa zwei Zentimeter große Stücke ab und zieht sie mit ihren geschickten Händen und einem geriffelten Messer über die Oberfläche ihres Holztisches. Auf diese Weise entstehen diese Öhrchen (orecchiette), die ihren Namen natürlich ihrer Form zu verdanken haben.

Porto Rafael – Träumen ist Leben

Rafael Neville hatte einen Traum. Ein kleiner Strand, wenige Häuser inmitten der Vegetation, das blaue Meer und in der Ferne ein paar Inseln. So will es die Legende um den spanischen Grafen und sein Porto Rafael. Es liegt im Norden Sardiniens, gegenüber des zum Weltnaturerbe erklärten Inselarchipels La Maddalena, und man kann es wahrlich als Perle bezeichnen. Das symbolische Rathaus von Porto Rafael ziert eine Tafel mit der Inschrift „Sognare è vivere“ („Träumen ist Leben“). Unter diesem Motto erschuf der spanische Graf Rafael Neville nach intensiver Suche nach dem geeigneten Ort Anfang der 60er Jahre dieses romantische Refugium.

Aperitivo – Italiens schönste Zeit des Tages

Über nichts wird in Italien lieber gesprochen als über das Essen. Zu Recht! Denn die Mahlzeiten sind für den Italiener ganz zentrale Rituale. Sie durchbrechen den Alltag und schaffen Zeit für Familie und Freunde. Beim zweiten Frühstück in der Bar, beim stundenlangen sonntäglichen Mittagessen bei der Oma oder beim ausgedehnten Abendessen, wenn man mit der Familie zusammen den Tag Revue passieren lässt. Zwischendurch gibt es natürlich eine süße Brotzeit, die merenda. Ja, und dann wäre da noch der aperitivo… diese wunderbare Erfindung!

Pietrasanta – Schatzkiste der Versilia

An den Fuß der Apuanischen Alpen, etwa 30 km nördlich von Pisa, schmiegt sich ein kleines feines Städtchen namens Pietrasanta. Und es gleicht einer Schatzkiste. Es darf sich mit einer jahrhundertealten Tradition der Bildhauerei und deren großer Namen schmücken: Michelangelo Buonarroti, der polnische Bildhauer Igor Mitoraj, der lateinamerikanische Künstler Fernando Botero – alle sind sie untrennbar mit dieser Stadt verbunden. In Pietrasanta kommt vor allem der Steinbearbeitung große Bedeutung zu, wird in den unmittelbar umliegenden Steinbrüchen von Carrara doch der berühmte Santuario, der weltweit wohl beste Bildhauermarmor gebrochen. Auch der Bronzeguss erfreut sich bei den angesiedelten namhaften Künstlern großer Beliebtheit. Hat man die umliegenden quirligen Städte wie Lucca, Pisa und Florenz erst einmal hinter sich gelassen, braucht man gewiss nicht lange, um in das besondere Flair dieses zauberhaften Städtchens der Versilia einzutauchen. Ob man sich nun in einer der zahlreichen Galerien der schönen Künste widmet, das Leben auf der Piazza Duomo von einem der einladenden Restaurants aus beobachtet, durch die kleinen Gassen mit ihren stilvollen Boutiquen schlendert oder an der nahe gelegenen gleichnamigen Marina Meeresluft …

Tonda Gentile – Die freundliche Runde

Die freundliche Runde wird sie im Italienischen liebevoll genannt und unweigerlich hat man das Bild der fürsorglichen italienischen Mamma vor sich. Aber weit gefehlt! Bei der Tonda Gentile handelt es sich um eine Nuss. Natürlich nicht um irgendeine. Nein, sie gilt als die beste Haselnuss der Welt. Die unvergleichbar aromatische Nuss stammt aus einer besonders fruchtbaren Region Italiens, dem Piemont. Die Ernte erfolgt gegen Ende August, wenn die Früchte vollständig reif sind und sich vom Tragblatt lösen. Zu diesem Zeitpunkt haben sie ein besonders hohes Gewicht und einen geringen Feuchtigkeitsanteil. Dank ihrer runden Form und der dünnen Haut ist die Tonda Gentile leicht zu schälen. Ihr vergleichsweise niedriger Fettgehalt ermöglicht längere Haltbarkeit. Der mild aromatische Geschmack und das himmlische Aroma nach der Röstung machen sie so einzigartig und damit auch zu einem der beliebtesten Rohstoffe der Süßwarenindustrie. 1946 hatte ein gewisser Pietro Ferrero die Idee, die Nocciola Piemonte zusammen mit Zucker und Kakao zu einem süßen Laib, dem sogenannten Giandujot, zu verarbeiten und schuf damit den Vorläufer einer der beliebtesten Leckereien überhaupt, dem Nutella. Am liebsten wird die freundliche Runde jedoch von uns, von Hand und mit viel Liebe verarbeitet…. Torta …

Il Civaiolo – Ein altes florentinisches Metier

Die meisten Italiener werden Sie fragend ansehen wenn Sie den Begriff Civaiolo erwähnen, denn er ist eng mit der Stadt Florenz und seiner Tradition verbunden. Es handelt sich um ein altes Metier und würde in der wörtlichen Übersetzung in Hülsenfrüchteverkäufer münden. Le civaie sind Hülsenfrüchte und essentieller Bestandteil der toskanischen Küche. Doch sie sind bei Weitem nicht alles, was der Civaiolo von gestern und heute zu bieten hat: Gewürze, Kräuter und kandierte Früchte zieren das farbenfrohe Warenangebot genauso wie Haushaltswaren, Gartenartikel, Schlüssel, Tiernahrung und Regenschutz. Es gibt nichts was es nicht gibt. Aber vor allem bekommt man dort genau das, was man in der viel beklagten Wegwerfgesellschaft so sehr vermisst. Beim Betreten eines Civaiolo stolpert man förmlich über die Säcke voller offener Hülsenfrüchte, die sich auf diese Weise am besten und längsten halten. Jeder Einkauf wird von einem netten kleinen Plausch begleitet und  höchstwahrscheinlich hat man vor Verlassen des Ladens auch noch Rezepte und Küchengeheimnisse ans Herz gelegt bekommen, die in keinem Kochbuch zu finden sind. Denn fernab von Plastikverpackungen und Fertigprodukten hat man hier noch die Gelegenheit, genau die richtige Bohne, die passende Reissorte …