Alle Artikel in: Liebling

Pantelleria – Die Tochter des Windes

Das Abenteuer Pantelleria beginnt für mich zu Hause in Deutschland mit einem Anruf bei Nonna Costanza, die uns für unseren Aufenthalt ein Bleibe zur Verfügung stellen wird. Einfach, aber mit allem was man so braucht, so die Freundin eines Freundes, die diesen Kontakt hergestellt und mich überhaupt erst auf die Idee gebracht hat, dieses 81 km2 kleine Eiland zu besuchen. Der klangvolle Name Pantelleria kommt aus dem Arabischen (Bent-el Rhia) und bedeutet Tochter des Windes. In der Tat ist die Luft über der Insel stetig in Bewegung, je nach Jahreszeit mal stärker und mal schwächer. Niederschläge sind selten. Natur und Mensch haben sich auf beachtliche Art und Weise der Trockenheit angepasst. Die Insel selbst ist vulkanischen Ursprungs. Lavaströme formten einst die charakteristisch schroffe Küstenlandschaft mit ihren atemberaubenden Buchten und Klippen.

Der Poet von Polignano

Durch die Gassen von Polignano a Mare zu streifen, ist ein wenig wie ein Poesiealbum zu durchblättern. Über das ganze süditalienische Städtchen hinweg verteilt ziert dieselbe Handschrift Mauern, Treppen, Türen und vieles mehr. Auch bewegliche Gegenstände werden nicht verschont. Hinter diesen Zitaten, Versen und Lebensweisheiten verbirgt sich Guido il Flâneur, wie er sich selbst nennt. Polignano a Mare steht für eine historische Alststadt mit malerischen Gässchen, schicken Boutiquen, modernen Bars, landestypischen Restaurants und schließlich und vor allem für sein Panorama, das einem besonders in den frühen Abendstunden den Atem stocken lässt.

Die Nudel-Frauen von Bari Vecchia

Unter dem Arco Basso in Bari Vecchia, der gepflegten und verwinkelten Altstadt von Apuliens Hauptstadt Bari, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Vor ihren Wohnungen sitzen Damen an recht provisorisch aufgebaut scheinenden Tischen und zaubern tagein tagaus die für Bari und Apulien so berühmten orecchiette. Der Teig besteht aus Wasser und Hartweizengrieß. Aus dem frisch zubereiteten Teig formt sie zunächst schmale Rollen, trennt davon etwa zwei Zentimeter große Stücke ab und zieht sie mit ihren geschickten Händen und einem geriffelten Messer über die Oberfläche ihres Holztisches. Auf diese Weise entstehen diese Öhrchen (orecchiette), die ihren Namen natürlich ihrer Form zu verdanken haben.

Porto Rafael – Träumen ist Leben

Rafael Neville hatte einen Traum. Ein kleiner Strand, wenige Häuser inmitten der Vegetation, das blaue Meer und in der Ferne ein paar Inseln. So will es die Legende um den spanischen Grafen und sein Porto Rafael. Es liegt im Norden Sardiniens, gegenüber des zum Weltnaturerbe erklärten Inselarchipels La Maddalena, und man kann es wahrlich als Perle bezeichnen. Das symbolische Rathaus von Porto Rafael ziert eine Tafel mit der Inschrift „Sognare è vivere“ („Träumen ist Leben“). Unter diesem Motto erschuf der spanische Graf Rafael Neville nach intensiver Suche nach dem geeigneten Ort Anfang der 60er Jahre dieses romantische Refugium.

L’aperitivo – Italiens schönste Zeit des Tages

Über nichts wird in Italien lieber gesprochen als über das Essen. Und das zu Recht: sind die Mahlzeiten für den Italiener doch die zentralen Rituale, die den Alltag durchbrechen und Zeit für Familie und Freunde schaffen. Das zweite Frühstück in der Bar, das stundenlange sonntägliche Mittagessen bei der Oma und das ausgedehnte Abendessen, bei dem man mit der Familie zusammen den Tag Revue passieren lässt. Und zwischendrin auf jeden Fall eine merenda, die Brotzeit, die meistens süß ausfällt. Ja und dann wäre da noch der Aperitivo, diese wunderbare Erfindung, die die unerträgliche Zeit zwischen Feierabend und Abendessen erträglich macht oder es aufgrund seiner Reichhaltigkeit gleich vollständig ersetzt. Das Wort stammt vom Lateinischen aperire (= öffnen) und erklärt damit schon die Funktion des Aperitifs, nämlich den Magen zu öffnen und auf das Abendessen hinzuführen. Die Art des Aperitifs fällt in den einzelnen Regionen Italiens sehr unterschiedlich aus. Allen gemein ist das Prinzip: Ab dem frühen Abend findet man sich zum geselligen Beisammensein in oder vor den Bars und Kneipen ein. Ob zum recht klassischen Aperitif mit einem Bier oder Cocktail und ein paar Nüssen …

Petaloso – Ein Wort geht durch Italien

Die Grundschullehrerin Margherita Aurora aus dem kleinen Ort Copparo in der Provinz Ferrara staunte nicht schlecht als Ihr Schüler Matteo in einer Arbeit ein Wort verwendete, das es in der italienischen Sprache gar nicht gibt. Matteo beschrieb eine Blume als “petaloso” (reich an Blütenblättern). In den italienischen Wörterbüchern ist dieses Wort nicht zu finden. Grammatikalisch macht es aber durchaus Sinn, denn es setzt sich aus “petalo” (Blütenblatt) und der Endung “-oso” (hier: reich an) zusammen. Eine Vielzahl an Adjektiven wird genau auf diese Weise gebildet. “Hat der 8-jährige Matteo womöglich ein neues Wort ins Leben gerufen?”, fragte sich Lehrerin Margherita und schrieb zusammen mit ihrem Schüler einen Brief an die Accademia della Crusca, die altehrwürdige Institution aus Florenz, die sich dem Studium und Bewahren der italienischen Sprache verschrieben hat. Zu ihrer Überraschung bekamen sie eine ermutigende Antwort. Das Wort sei korrekt gebildet, schön und klar, und könne im Italienischen durchaus verwendet werden. Um offiziell Teil der italienischen Sprache zu werden müsse es jedoch von vielen Menschen gebraucht und verstanden werden, so der Sprachwissenschaftler der Accademia della Crusca. Margherita war überrascht und gerührt von der positiven Antwort und postete Fotos des besagten Briefes und …