Autor: Vanessa

Le buchette del vino – Die Weinlöcher von Florenz

Keine Frage, Italien fasziniert und fesselt uns: Es strotzt nur so vor kulturellem und kulinarischem Reichtum, und das unverbrüchliche Stil- und Modebewusstsein der Italiener scheint in deren DNA verankert zu sein. Ja, Italien kann einen in seiner Pracht und Größe erschlagen, das erklärte uns bereits Stendhal. Doch wie wäre es, sich einfach einmal unbeeindruckt zu zeigen, die großen Sehenswürdigkeiten mit ihren endlosen Warteschlangen links liegen zu lassen und einfach nur zu schlendern? Sich treiben zu lassen und dabei die ein oder andere Besonderheit zu entdecken, die womöglich noch nicht jeder kennt und die sich andernorts vielleicht überhaupt nicht findet? In einer von den Historikern bis ins kleinste Detail dokumentierten Stadt wie Florenz erscheint das schier unmöglich… Doch ich durfte mich eines Besseren belehren lassen: Genau wie ich hatte sie so manch alteingesessener Florentiner noch nie zuvor bemerkt. Einmal entdeckt jedoch ziehen sie sich wie ein roter Faden durch das Zentrum der Wiege der Renaissance. Schnell vergisst man Michelangelo, Brunelleschi und den gesamten Clan der Medici, denn diese geheimnisvollen Öffnungen haben ihren ganz eigenen Charme: Bei …

Daniel Speck – Piccola Sicilia

Als hätte er das weiche, wärmende Sonnenlicht aus Tunesien direkt mit nach Heidelberg gebracht… Der Herbst zeigt sich von seiner goldenen Seite als ich Daniel Speck zwei Jahre nach der Veröffentlichung von „Bella Germania“ wiedersehe, als er die Herzen seiner deutschen und italienischen Leser im Sturm eroberte. Nun ist er zurück, mit einer neuen Geschichte, die ganz anders ist und sich dennoch so schön vertraut anfühlt. Daniel Specks Figuren der Gegenwart nehmen uns mit auf eine Reise in ihre Vergangenheit, die nicht nur fesselt, weil sie spannend erzählt ist, sondern weil sie durchaus auch unsere sein könnte und weil sie aktueller denn je ist. Er bringt uns erneut ein Stück Zeitgeschichte näher, das wir bereits zu kennen glaubten… bis wir „Piccola Sicilia“ in die Hand nehmen und nicht mehr weglegen können. Daniel Speck ist mal wieder Eins mit seinem Thema und sprüht nur so vor Energie und Begeisterung, als er von seinen Recherchen und den Begegnungen mit den Menschen, die ihm die Geschichten für seine Geschichte erzählten, berichtet. Und von seinen Sinnesempfindungen, die gerade deshalb …

Loro – Die Verführten

Italien 2006 – 2010: „Alles dokumentiert. Alles willkürlich.” (Giorgio Manganelli) Abgewählt und ausgebrannt schmiedet Silvio Berlusconi in seinem goldenen Käfig auf Sardinien Pläne zur Rückkehr an die Macht. Seine Frau Veronica empfindet schon längst keine Bewunderung mehr für ihn und versucht mit allen Mitteln, ihre Würde zurückzuerlangen. Der Polit-Greis Santino Recchia spekuliert darauf, Berlusconi als Führer des Mitte-Rechts-Bündnisses abzusägen. Und der Kleinkriminelle Sergio Morra will endlich aus der apulischen Provinz ausbrechen und mit Hilfe seiner koksenden Callgirl-Eskorte in den Dunstkreis der Schönen und Mächtigen vordringen. Nein, es ist kein Film über Silvio Berlusconi. Dieser betritt, verkörpert durch den charmant-witzigen und extrem wandelbaren Toni Servillo, erst nach 40 Minuten die Kinoleinwand. Der Zuschauer hat in dieser Zeit schon längst verstanden, worum es geht: Es geht um sie („loro”), um diesen Mikrokosmos der Verführten, der den Machtmenschen Berlusconi umgibt. Um eine Parallelwelt, die verstört und fasziniert zugleich. Loro, das sind aber auch sie, die Italiener, die sich den leeren Versprechungen ihres Traumverkäufers stets aufs Neue hingeben und einem Mann folgen, für den Politik und unternehmerischer Größenwahn auf …

Italien for kids – Nur Eis essen ist schöner

So macht ein Ausflug im Italienurlaub auch mit Kindern Spaß! Ein Gastbeitrag von Britta Schmidt von Groeling, die sich mit ihrem Verlag World for kids auf die Herausgabe von Reiseführern für Kinder spezialisiert hat. Wer keine Lust hat, jeden Tag am Strand zu liegen, hat in Italien eine Fülle von Möglichkeiten, um sich die Zeit zu vertreiben. Berge, Seen, Wandertouren, kleine Dörfer und Städtchen, Weingüter und Olivenfabrikationen, dazu kommen noch diverse kindgerechte Attraktionen wie Badelandschaften und ähnliches. Ich habe auf meiner Reise versucht, nicht nur Dinge zu tun, die speziell für Kinder interessant sind, sondern die die ganze Familie begeistern können. Wenn man ein paar Kleinigkeiten beachtet, sind fast alle Aktivitäten mit kleineren Kindern möglich. Wichtig aus meiner Sicht ist, dass man das Tempo und die Interessen der Kinder mit bedenkt, wenn man einen Ausflug plant. Es macht beispielsweise keinen großen Sinn, wenn man versucht, im Dom von Siena den kompletten Baedeker Reiseführer durchzuarbeiten, während sich die Kinder auf den Kirchenbänken langweilen. Auf der anderen Seite ist es durchaus möglich, gerade kleinere Kinder für einen Rundgang durch ein mittelalterliches Dorf …

Italien innovativ: Ein Haus aus dem Drucker

Mailand enthüllt ein Stück Zukunft und präsentiert auf der Piazza Beccaria im Rahmen der weltweit wichtigsten Möbelmesse Salone del Mobile das erste von einem 3D-Drucker erschaffene Haus seiner Art  Ein Haus mit etwa 100 qm, ein Wohnbereich, Schlafzimmer, Küche und Bad. Nachhaltig, an einen beliebigen Ort versetzbar und günstiger als ein gewöhnliches Haus. Bau- oder besser Druckzeit circa 2-3 Wochen. Zukunftsmusik? Ganz im Gegenteil … Unter dem Motto “Technology meets Humanity” arbeiteten das Ingenieurbüro Arup und CLS Architetti mit dem Stararchitekten Massimiliano Locatelli in den vergangenen zwei Jahren mit ihrem Projekt 3D Housing 05 an einer ganz neuen Form des Wohnens. Damit sollen sich flexible und nachhaltige Bauwerke in kurzer Zeit und zu geringen Kosten realisieren lassen. Die für die 3D-Technologie geeignete und schnell härtende Betonmischung entwickelte ein Team von Spezialisten aus dem Innovationslabor i.lab des in Bergamo ansässigen Baustoffherstellers Italcementi. Durch spezielle Düsen, die auf einen von der Firma Cybe konstruierten 3D-Druckroboter aufgesetzt werden, wird das Material in die gewünschte Form gespritzt. Auf diese Weise entstehen Schicht für Schicht die Wände des Hauses. Dach, Fenster, Türen und die Gebäudetechnik werden ergänzt, wenn das Material ausgehärtet ist. http://3dhousing05.com/img/video2.mp4 Massimo …

Neun Geheimnisse Mailands

Ein Gastbeitrag von Stefanie Claus von Azzurro Diary. Mailand – vielleicht die lebendigste Metropole Italiens – ist herrlich wandelbar und steckt voller Überraschungen. Die Hauptstadt der Lombardei hat sich gerade eine neue Skyline zugelegt und lohnt nicht nur deshalb eine Entdeckungsreise. Hier sind neun Tipps für eine Stadt, die viele zu Unrecht für hässlich halten. Mailänder Dom und Domterrassen Bei jedem Aufenthalt in Mailand zieht es mich zuerst zum Dom, der im Zentrum der über die Jahrhunderte gewachsenen Stadt liegt. Ein Spaziergang auf den Domterrassen gehört unbedingt zu einem Mailandbesuch dazu. Nicht wundern, wenn schon wieder ein Teil der Fassade eingerüstet ist. Marmor ist ein sehr vergängliches Material, das sich unter der Atmosphäre schnell auflöst: nach etwa 30 Jahren muss er ausgewechselt werden. In den dreißiger Jahren machten sich die Restaurateure einen Spaß und schmuggelten einige zeitgenössische Figuren auf die Domterrassen. Sportler, Musiker, der König und der Duce sind zu erkennen. Im Statuendschungel der Domfassade versteckt sich dazu ein falscher Heiliger. Angekettet, in antiker Kleidung und die Arme trotzig vor der Brust verschränkt, schaut San …

Heiliges Theater

Thomas Huber über neapolitanischen Trubel und weihnachtliche Stille Mit Thomas verbindet mich die Leidenschaft für den Rock’n’Roll-Sport. Aus Konkurrenz auf dem Parkett wurde vor vielen Jahren eine wunderbare Freundschaft. Heute lebt sie auf, denn auch Thomas treibt die Sehnsucht nach Italien, eine ganz besondere sogar … Thomas, du pflegst ein seltenes Hobby, den Krippenbau. Wie kam es dazu und was fasziniert dich daran? Für mein Alter ist es in der Tat ein seltenes Hobby. Der durchschnittliche Krippenbauer ist Rentner, wenn man die Entwicklung in den Krippenvereinen betrachtet. Ich war als Kind schon von der Krippe fasziniert, keine Krippe innerhalb der Verwandtschaft war vor mir sicher. Durch die Betreuung der Kirchenkrippe in Abensberg seit 1997 hat sich das Hobby zu einem wichtigen Bestandteil in meinem Leben entwickelt. Den Ausdruck „Berufung“ mag ich zwar nicht, er ist jedoch recht treffend für mich. Das Spannende am Krippenbau ist, dass ich es nicht als Spielerei, sondern als eine Kunstform ansehe. Die Krippe ist die Darstellung einer Geschichte in 3 D, eine Szene ist an einem bestimmten Moment festgehalten. Meine Definition …

Pantelleria – Die Tochter des Windes

„Das ist eine unschuldige Insel. Du verstehst das, wenn du den Passito trinkst oder die Kapern probierst. Die Süße und das Salz einer kostbaren Erde unter der Sonne und die letzten Götter, die es hier immer noch gibt, auch wenn niemand weiß, wo sie sind.” Franco Arminio Das Abenteuer Pantelleria beginnt für mich zu Hause in Deutschland mit einem Anruf bei Nonna Costanza, die uns für unseren Aufenthalt ein Bleibe zur Verfügung stellen wird. Einfach, aber mit allem was man so braucht, so die Freundin eines Freundes, die diesen Kontakt hergestellt und mich überhaupt erst auf die Idee gebracht hat, dieses 81 km2 kleine Eiland zu besuchen. Ich wähle also die Festnetznummer einer mir unbekannten älteren Dame, sehe vor mir ein kleines Fleckchen Erde im großen blauen Meer und bin gespannt was passiert. Natürlich sei sie im Bilde über unseren Besuch, kenne unsere Flugzeiten und sogar der Fiat Panda sei schon reserviert. Bestimmt erkenne uns ihre Tochter auch gleich, wenn sie uns am Flughafen abholt. Ja, das Klischee der Tedesca erfülle ich. Wir plaudern noch eine ganze Weile …

Mode, Mailand & Mehr – Einkaufen wie die Einheimischen

Der Mailand Fashion Guide von Stefanie Claus Schon des Öfteren habe ich bei Azzurro Diary vorbeigeschaut, um Inspiration zu finden und Wissenswertes über mein Sehnsuchtsland zu erfahren. Die Autorin Stefanie Claus lebt seit einigen Jahren in Verbania am Lago Maggiore und schreibt von dort aus über ihre Erlebnisse, Reisen und Interessen rund um das Belpaese. Ihr Blog gefällt mir deshalb so gut, weil die Themen vielfältig, gut recherchiert und mit stimmungsvollen Fotos aufbereitet sind. Umso mehr hat es mich gefreut, vor Kurzem Post von Stefanie in meinem virtuellen Briefkasten vorzufinden. Sie hat ein E-Book veröffentlicht, einen Fashion Guide über Mailand, und möchte ihn mir ans Herz legen. Stefanie hat damit, ohne es zu wissen, einen Volltreffer gelandet. Nicht, weil ich mich in Mailand so gut auskenne oder Mode und Design mein absolutes Steckenpferd sind. Ganz im Gegenteil. Nach Mailand habe ich es bislang nur auf der Durchreise geschafft. Und in Sachen Mode bewundere ich diejenigen, die ein Händchen dafür haben und bei jeder Gelegenheit mit dem passenden Outfit glänzen. Was schreibt Stefanie da ganz zu …

Claudio Bandelli – Prima di dormire

Es gibt Worte, die einer anderen Sprache nicht vorenthalten werden sollen. Worte, die schön sind: weil sie ausdrücken, was wir fühlen; weil sie klingen, als wären Sie Musik; weil sie da sind um ihrer selbst willen. Nicola Pecci liest und interpretiert Claudio Bandelli “Prima di dormire” [wc_row][wc_column size=”one-half” position=”first”] Vor dem Einschlafen Die Konsequenzen von Sentimentalität können teuflisch sein. Man sollte die Augenblicke belassen, wie man sie erlebt hat, nie versuchen, sie zu wiederholen, noch einmal zu durchleben … (Heinrich Böll) Vor dem Einschlafen widerfährt es mir oft, dass ich mir diese Frage stelle: Denkt sie immer noch an mich? Die Antwort kenne ich nicht, aber ich nehme es schon an. Ich denke gerne daran, dass, auch wenn sie alles tut, um mich zu vergessen, sie ein Gegenstand, ein Satz, ein Geruch ganz plötzlich zu mir zurückbringt, ein kurzer Moment, ein flüchtiger Blick, ohne zu fokussieren, ohne es genau zu verstehen. Und dann denke ich: Wen kümmert es schon! Im Grunde ist es total egal, ob sie an mich denkt oder nicht. Was zählt ist, dass sie …

Eine Postkarte weckt Erinnerungen

Südtirol anno 1975 – Ein Gastbeitrag von Marcus Meyer – Wer kennt das nicht? Die großen Ferien stehen vor der Tür, man sitzt in Familie zusammen und irgendwie kommt das Gespräch auf „früher“! Wisst ihr noch damals? So auch bei uns. Es ging um unseren ersten Familienurlaub im fernen Italien, im fast 1.000 km entfernten Südtirol damals in den Sommerferien 1975. Ich war acht Jahre alt und die Fahrt ging in die Nähe von Bozen. War das überhaupt Italien? Schließlich wurde dort Deutsch gesprochen, doch das war uns Kindern egal. Wir saßen unangeschnallt auf der Rückbank unseres VW Variant und waren voller Erwartungen. Einen Familien-Van oder SUV hatte und brauchte zu jener Zeit noch niemand. Und so versuchten wir 42 Jahre später unseren Familienurlaub zu rekonstruieren. Die Daten waren schnell gefunden bzw. aus der Erinnerung hervorgeholt. Pension Warasin in Girlan bei Eppan und Bozen, soviel wussten wir. Vielmehr nicht, denn Fotos wurden in diesem Sommer irgendwie nicht gemacht. Wie schön, dass es heute das Internet gibt und so wurden die Daten mal eben bei google …

Italienische Momente in Essen

Ein Rundgang auf der Oldtimermesse Techno Classica. Ein Beitrag von Marcus Meyer vom Oltimerfreundeskreis Viva ItaliEN, der uns freundlicherweise von seinem Messebesuch am zweiten Aprilwochenende 2017 berichtet. Seit fast 30 Jahren findet jedes Jahr im Frühling die Oldtimermesse „Techno Classica“ in Essen statt. Sie ist inzwischen zur Weltmesse in Sachen klassische Automobile avanciert und mittlerweile Anziehungspunkt für mehrere hunderttausend Besucher aus der Szene. Historische Autos, meist erkennt man sie am „H“ auf dem Nummernschild, liegen im Trend, sei es als Spaßmobil am Wochenende, als gepflegter Zweitwagen oder auch als Kapitalanlage. Natürlich stehen in Deutschland die Automobile aus dem Hause Mercedes, Porsche oder VW regelmäßig im Vordergrund, doch auch die klassischen Fahrzeuge aus „Bella Italia“ erfreuen sich bei uns immer größer werdender Beliebtheit. Wer erinnert sich nicht an die klassischen Carabinieri-Giulias von Alfa Romeo, die in den 70er Jahren eindrucksvoll an der Brenner-Autobahn standen? Aber auch, und gerade das passt zum Frühling oder Sommer, sind die historischen Fiat 124 oder Alfa Romeo Spider natürlich im Trend, wenn man an Italien denkt. Und nicht zu vergessen der …

Azzurro – Die Italo-Pop-Revue

Vor ein paar Monaten sprach ich HIER bei Italiensehnsucht mit Rocky Verardo, dem Frontmann der Band I Dolci Signori. Er erzählte mir von einem ganz besonderen Projekt, über das er damals jedoch noch nicht so viel verraten durfte. Am vergangenen Samstag war es nun endlich soweit und ich konnte mir das wunderbare Ergebnis einer vor langer Zeit entstandenen Idee ansehen. Unsere Italo-Pop-Geschichte beginnt bei Mamma Maria in Süditalien, am rot-weiß-kariert gedeckten Küchentisch. Rocky erhält einen Brief aus Amerika von seiner großen Liebe Gloria, dem schönsten Mädchen seines Dorfes, dessen Heirat mit dem amerikanischen Banker Johnny kurz bevorsteht. Zu verhindern wäre dies nur, wenn Rocky innerhalb von kurzer Zeit schlappe 17.952 Dollar locker machen könnte. Da erinnert sich der Nonno, überzeugend in Szene gesetzt von Richie Necker, dessen schauspielerisches Talent den I Dolci Signori Fans bereits bestens bekannt sein dürfte, an die Goldenen Siebziger, wo in Gelsenkirchen das Geld auf der Straße und in den Steinkohlestollen lag. Schnell ist die Vespa mit dem “Nötigsten” bepackt und zu den flotten Klängen von Lunapops Vespa 50 Special geht’s auf nach Gelsenkirchen! Beim ersten Stopp …

Il Museo dell’Opera del Duomo

Nach mehrjährigen Um- und Ausbauarbeiten öffnete das Dommuseum in Florenz vor knapp anderthalb Jahren wieder seine Pforten. Höchste Zeit, es endlich zu besuchen! Auf rund 6000 qm und 3 Stockwerken dokumentiert es den Wandel des Florentiner Doms Santa Maria del Fiore vom Mittelalter bis zur Hochrenaissance. Allgegenwärtiges Zentrum des Museums ist eine originalgetreue Rekonstruktion der Domfassade nach dem Entwurf von Arnolfo di Cambio aus dem späten 13. Jahrhundert, die im 16. Jahrhundert im Rahmen eines Stadterneuerungsprogramms abgetragen wurde. Heute erstrahlt sie in voller Pracht und Größe nur wenige Meter von dem Ort, wo sie sich einst befand. Ihr gegenüber erhebt sich, einst und heute, das Baptisterium San Giovanni in Form seiner Originalpforten nach den Entwürfen von Lorenzo Ghiberti und Andrea Pisano, die bereits vor einigen Jahren Schutz im Museum gefunden haben. Man wandelt sozusagen im Paradies, wie der Platz zwischen einer Taufkapelle und der zugehörigen Kirche nach alter christlicher Tradition genannt wurde, in Anspielung an die Freude, die die frisch Getauften in Erwartung ihrer ersten heiligen Kommunion dort empfanden. Das erste Stockwerk widmet sich Brunelleschis Kuppel, deren Entstehung mit Videomaterial und …

Nicola Pecci – Toscano DOC

Nicola, für mich warst du immer Schauspieler und Liedermacher … jetzt auch Schriftsteller? Das ist sehr freundlich, aber ich würde mich nun wirklich nicht als Schriftsteller bezeichnen. Sagen wir so, die Begegnung mit dem Schreiben eines Buches ist aus einer Notwendigkeit heraus entstanden und war alles andere als ein Spiel: unterhaltsam ja, aber auch sehr anstrengend. Nicola Pecci mit einem einzigen Wort zu beschreiben ist fast unmöglich – wenn überhaupt, dann mit vielseitig. Er ist Theaterschauspieler, Sänger, Liedermacher, ein bisschen Schriftsteller und noch vieles mehr. Er lebt in Vaiano, in der Nähe von Florenz, wo er auch aufgewachsen ist. Uns verbindet eine lange Freundschaft und die Gemeinsamkeit, das Schöne in Worten zu finden. Nicola, vor einigen Jahren lernten wir uns bei einem Konzert mit Deiner früheren Band I Tre Toni Fuori kennen. Im Bebop, einem der damals beliebtesten Live-Musik-Clubs von Florenz. Seitdem ist viel passiert, Du hast verschiedene Formen der darbietenden Kunst kennengelernt und ausprobiert. Heute bist Du vor allem auf den toskanischen Theaterbühnen zu Hause. Wo nahm dieser Weg seinen Anfang? Ich kann mich glücklich schätzen, …

Nicola Pecci – Toscano DOC

Nicola, ti conosco da sempre come attore e cantautore … adesso anche scrittore? Io ti conosco da sempre come una ragazza molto gentile, ma non direi proprio scrittore. Diciamo che confrontarmi con la scrittura di un libro è stato più che altro un gioco … necessario e anche divertente, ma molto faticoso. Descriverlo con un’unica parola è quasi impossibile, se non con poliedrico: Nicola Pecci è attore di teatro, cantante, cantautore, un po‘ anche autore e molto altro. Vive a Vaiano, in provincia di Prato, dov’è anche cresciuto. Ci lega una lunga amicizia e la cosa in comune di trovare la bellezza nelle parole. Nicola, alcuni anni fa ci siamo conosciuti durante un concerto del tuo gruppo I Tre Toni Fuori al Bebop, uno dei club di musica dal vivo più poplari di allora. Nel frattempo è successo molto. Tu hai sperimentato e conosciuto tante arti dello spettacolo. Oggi ti senti a casa soprattutto sui palchi dei teatri in Toscana. Dov’è che questa carriera ha avuto il suo inizio? Fortunatamente ho avuto una formazione molto importante, …

Pistoia – Kulturhauptstadt 2017

Bereits vor einigen Jahren ist mir eine Stadt ans Herz gewachsen, die bislang nicht unbedingt ganz oben auf der Liste der bevorzugten Ziele der Toskanaurlauber stand. Dies könnte sich von jetzt an ändern, denn Pistoia darf sich seit Anfang des Jahres mit dem Titel Italienische Kulturhauptstadt 2017 schmücken. Egal aus welcher Richtung man auf die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz zufährt, man ist umringt vom Grün einer schier unendlich scheinenden Vielfalt an Pflanzen, denn Pistoia verfügt über die größte Dichte an Baumschulen in Europa. Und sicherlich wird sich der ein oder andere von Ihnen bei dem Gedanken ertappen, dass die heimische Terrasse doch etwas mediterranes Flair vertragen könnte. Den Blick nach oben gerichtet, eröffnet sich ein traumhaftes Panorama auf den Tosko-Emilianischen Apennin, mit seinem höchsten Punkt dem Monte Cimone. Von Florenz aus erreicht man Pistoia in nord-westlicher Richtung in etwa einer halben Stunde. Es verfügt über zahlreiche Parkmöglichkeiten, von denen aus man sich in wenigen Gehminuten mitten im historischen Zentrum befindet. Die Atmosphäre ist lebhaft und entspannt zugleich, die Menschen unaufgesetzt freundlich. Zahlreiche kleine Boutiquen machen das Einkaufserlebnis Italien zu dem, …

Die Befana kommt bei Nacht …

[wc_row][wc_column size=”one-third” position=”first”] La Befana vien di notte con le scarpe tutte rotte con le toppe alla sottana: Viva, viva la Befana! [/wc_column][wc_column size=”one-third”] Die Befana kommt bei Nacht mit ihren ganz kaputten Schuhen mit den Flicken auf dem Rock: Es lebe, es lebe die Befana! [/wc_column][wc_column size=”one-third” position=”last”] [/wc_column][/wc_row] Gespannt sehen die kleinen Italiener dem Dreikönigstags entgegen. Am Vorabend, bevor sie zu Bett gehen, legen sie einen Strumpf für die Befana bereit, in der Hoffnung, ihn am nächsten Morgen reichlich gefüllt vorzufinden. Das Wort Befana leitet sich von Epifania ab, dem italienischen Begriff für das Dreikönigsfest. Bei der Befana handelt es sich um eine freundliche Hexe, die in der Nacht zum Dreikönigstag auf ihrem Besen ihre Runde dreht, durch die Kamine der Häuser steigt und die Strümpfe der Kinder mit Süßigkeiten füllt. Oder mit Kohle, was davon abhängt, wie bravo/a der oder die Kleine im vergangenen Jahr war. Doch Italien wäre nicht Italien, wenn die Kinder nicht alle belohnt würden, und die “Kohle” nicht aus einer pappsüßen, schwarzen Zuckermasse bestünde, die lediglich wie Kohle aussieht. Der …

Daniel Speck – Bella Germania

Als ich Daniel Speck an einem zapfig kalten Winternachmittag in seiner Heimatstadt München treffe, weiß ich ehrlich gesagt nicht so genau, wo ich mit meinen vielen Fragen überhaupt anfangen soll. Schon als ich das Päckchen vom Fischer Verlag ein paar Tage zuvor zu Hause öffnete und dieses dicke Bündel Buch im gelungenen Retrodesign in der Hand hielt, ahnte ich leise, dass dieser Roman meine Italiensehnsucht für eine Weile stillen könnte. Wie sehr mich Daniel Specks Debütroman berührt, das wusste ich spätestens nach den ersten paar Seiten. Aus meinen vielen Fragen wurde ein lebhaftes, informatives und konstruktives Gespräch mit einem Menschen, der meine tiefe Verbundenheit zum Land Italien und seinen Menschen teilt und dessen Weg, konsequent das zu verfolgen wohinter man steht und was man liebt, mich in meinem eigenen Tun bekräftigt. „Bella Germania“ erzählt eine italienische Familiengeschichte von den Fünfziger Jahren bis heute, vom Suchen und Finden der eigenen Wurzeln und von der Liebe: der Liebe zu seinem Beruf, zur eigenen Heimat, der Liebe zwischen zwei Menschen und vor allem zur Familie. Gleichzeitig ist „Bella Germania“ ein …

Sommerfrische über Bozen

In der Wartehalle der Kohlerer Seilbahn bei Bozen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Das Kassenhäuschen ist geschlossen. Man kauft das Ticket bei Ankunft an der Bergstation. Der Fahrplan besteht aus den kultigen Plastikzahlen und -buchstaben wie wir sie aus den italienischen Bars kennen und lieben und in denen der Espresso nach wir vor für unter einem Euro zu bekommen ist. 1908 nimmt die historische Seilbahn als eine der ersten Personenschwebebahnen der Welt ihren Betrieb auf. Seitdem transportiert sie über etwa 800 Höhenmeter Einheimische und Touristen auf Kohlern, den Hausberg der Bozener und grüne Lunge der Stadt. Oben angekommen eröffnet sich einem ein herrlicher Fernblick auf den Bozener Talkessel und die Dolomiten. Auf leichten Wanderwegen verschiedener Länge genießt man das, womit sich Kohlern und seine Wiesen und Wälder rühmen dürfen: Sommerfrische. Und hier kann man die Seele baumeln lassen: zum Beispiel auf den Schneiderwiesen und ihrem gleichnamigen, traditionsreichen Gasthaus mit seiner einladenden Sonnenterrasse, das uns nach einer knapp zweistündigen gemütlichen Wanderung familiäres Ambiente, freundlichen Service und hervorragende, bodenständige Küche bietet. Auf der Rückfahrt ins Tal lauschen wir dem lieb …

Escursioni Maretta Torre Vado

Escursioni Maretta

Seit fast einer Woche sind wir nun schon im Salento, ganz im Süden des italienischen Stiefelabsatzes und endlich kommt der ersehnte Anruf von Davide de Giorgi. Er ist stolzer Besitzer eines geschichtsträchtigen Bootes, das früher als schwimmendes Hotel diente und das als erstes seiner Art die Besucher von Torre Vado aufs Meer brachte. Und auch uns möchte er sein Fleckchen Heimat vom Meer aus zeigen. In den letzten Tagen war es für Juli ungewöhnlich windig und eine Ausfahrt kaum möglich. Doch heute wollen wir es unbedingt probieren, denn schon bald müssen wir wieder abreisen. Am touristischen Hafen von Torre Vado steht in erster Reihe ein kleines gelbes Häuschen mit dem dezenten Schriftzug Escursioni Maretta. Dort werden wir von Davide herzlich in Empfang genommen. Wir müssen sehen wie weit wir heute kommen, denn noch immer weht ein kräftiger Wind. “Keine Sorge, wir haben “onda corta” (kurze Wellendünung), da wird euch nicht schlecht”, beruhigt uns unser Kapitän. Dabei denke ich an die römische Gräfin, die auf eben diesem Boot vor mehr als drei Jahrzehnten sicher die griechische Insel Ithaka erreichte. Davide kennt das Meer und die Küste rund …

Der Poet von Polignano

Durch die Gassen von Polignano a Mare zu streifen, ist ein wenig wie ein Poesiealbum zu durchblättern. Über das ganze süditalienische Städtchen hinweg verteilt ziert dieselbe Handschrift Mauern, Treppen, Türen und vieles mehr. Auch bewegliche Gegenstände werden nicht verschont. Hinter diesen Zitaten, Versen und Lebensweisheiten verbirgt sich Guido il Flâneur, wie er sich selbst nennt. Die literarische Figur des Flâneur streift durch die Straßen und Gassen der Städte, beobachtet und reflektiert. So auch Guido Lupori, Jahrgang 1946 und vor vielen Jahren aus dem nahe gelegenen Bari nach Polignano a Mare gekommen. Hier hat sein Zwilling das Meer seine Freiheit vergrößert, wie an einer der Mauern zu lesen ist. Bis 2046 möchte er mindestens gerne bleiben, das erschließen wir uns aus seinen Schriften. Mit seiner Poesie will Guido il Flâneur auf die Schönheit, die die Literatur für uns bereithält aufmerksam machen. Vor allem bedient er sich der Poesie großer Autoren, lässt aber auch gerne eigene Gedanken in seine Werke miteinfließen. Beschränkt man sich auf dieses nette kleine Detail, wird man Polignano a Mare jedoch nicht gerecht, …

Die Nudel-Frauen von Bari Vecchia

Unter dem Arco Basso in Bari Vecchia, der gepflegten und verwinkelten Altstadt von Apuliens Hauptstadt Bari, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Vor ihren Wohnungen sitzen Damen an recht provisorisch aufgebaut scheinenden Tischen und zaubern tagein tagaus die für Bari und Apulien so berühmten Orecchiette. Der Teig besteht aus Wasser und Hartweizengrieß. “Kein Salz, das wird erst beim Kochen hinzugegeben”, erklärt mir eine der liebenswerten und aufgeschlossenen Damen. Aus dem frisch zubereiteten Teig formt sie zunächst schmale Rollen, trennt davon etwa zwei Zentimeter große Stücke ab und zieht sie mit ihren geschickten Händen und einem geriffelten Messer über die Oberfläche ihres Holztisches. Auf diese Weise entstehen diese Öhrchen (Orecchiette), die ihren Namen natürlich ihrer Form zu verdanken haben. Im Dialekt werden sie jedoch Strascinati genannt, vom Verb strascinare, das eben diese Bewegung des Ziehens über den Holztisch wohl am genausten beschreibt. Die freundlichen Nudel-Frauen bieten ihre Orecchiette in vielen verschiedenen Größen an. Auch die Vollkorn-Variante ist zu finden. Auf in Holzrahmen gefassten Gittern trocknen die Nudeln mit Hilfe der Sonne innerhalb von kurzer Zeit und wollen käuflich erworben werden. Mir wird versichert, dass es keine Touristenpreise gibt. Traditionell …

Porto Rafael – Träumen ist Leben

Rafael Neville hatte einen Traum: ein kleiner Strand, wenige Häuser inmitten der Vegetation, das blaue Meer und in der Ferne ein paar Inseln. So will es die Legende um den spanischen Grafen und sein Porto Rafael, eine wahre Perle im Norden Sardiniens, gegenüber des zum Weltnaturerbe erklärten Inselarchipels La Maddalena gelegen. Das symbolische Rathaus von Porto Rafael ziert eine Tafel mit der Inschrift “Sognare è vivere” – “Träumen ist Leben”: Unter diesem Motto erschufen nach intensiver Suche nach dem geeigneten Ort der spanische Graf Rafael Neville und ein befreundeter Anwalt Anfang der 60er Jahre dieses romantische Refugium. Die Nähe zum damaligen Hot Spot Porto Cervo und seiner Gesellschaft rund um den Fürsten Aga Khan zog schnell auch die Hautevolee an. Laue Sommernächte, Feste ganz in Weiß, exzellenter Wein und endlose Gespräche über Gott und die Welt mit Menschen aus aller Herren Länder. Ist das nicht genau der Ort, an den wir uns an nicht enden wollenden Büro- oder dunklen Wintertagen träumen? Das Bild zeichnen das Blau des Meeres und des Himmels, das Weiß der Häuser, das Grün der Macchia und …

Rocky Verardo – Der Mann mit der starken Stimme

Ein lauer Sommerabend neigt sich dem Ende zu, die Lichter auf der Bühne gehen aus, die letzten Gläser sind geleert und mit einem Lächeln auf den Lippen verlassen die Besucher das Fest. Man hätte noch ewig so weiterschunkeln, tanzen und trällern wollen, zu den Klängen, die unsere große Sehnsucht nach Italien wecken … Seit ihrem Debut 2002 versprühen I Dolci Signori das italienische Lebensgefühl in ganz Deutschland. Musica, passione, emozione – das ist das Motto der sechs Spitzenmusiker, die sich in nahezu unverändert Form Jahr für Jahr ein wenig mehr in die Herzen ihrer Fans gespielt haben. Sie glänzen durch ihre musikalische Professionalität, Authentizität und vor allem durch ihre große Spielfreude. Liebe Italienfreunde, heute habe ich die Ehre, euch meinen lieben Freund Rocky Verardo vorzustellen, Frontmann von I Dolci Signori und waschechter Süditaliener. Rocky, Du bist „der Mann mit der starken Stimme“ von I Dolci Signori, einer der erfolgreichsten Italo-Pop-Bands in Deutschland. Wir haben uns in Eurem Gründungsjahr 2002 kennengelernt. Seitdem verbreitet Ihr das süditalienische Lebensgefühl in ganz Deutschland und oft auch über seine Grenzen hinaus.  Aber fangen wir bei Dir an. Woher in Italien stammst du und was hat dich bewegt nach Deutschland zu kommen?   Ich komme aus Apulien, …

Verrückt vor Schönheit – Das Stendhal-Syndrom

“Ich habe mich in eine Statue verliebt”. So lautet der Titel einer von Graziella Magherinis zahlreichen Publikationen und bezieht sich auf die in vielen Augen schönste Statue der Welt, den David von Michelangelo. Die damalige Leiterin der psychosomatischen Abteilung des Krankenhauses Santa Maria Nuova von Florenz beschrieb in einer 1989 veröffentlichten wissenschaftlichen Studie das sogenannte Stendhal- oder Florenz-Syndrom, jene psychosomatische Störung, die im Zusammenhang mit kultureller Reizüberflutung auftritt. Zum ersten Mal dokumentiert wurde das Phänomen wohl 1817 von  Marie Henri Beyle, eben diesem Stendhal, der nach seinem ersten Besuch von Santa Croce, einer der prächtigsten Kirchen in Florenz, sein Befinden folgendermaßen dokumentierte: „Ich befand mich bei dem Gedanken, in Florenz zu sein, und durch die Nähe der großen Männer, deren Gräber ich eben gesehen hatte, in einer Art Ekstase.  […] Als ich Santa Croce verließ, hatte ich starkes Herzklopfen;  in Berlin nennt man das einen Nervenanfall;  ich war bis zum Äußersten erschöpft und fürchtete umzufallen.“ (Stendhal, Reise in Italien) Angesichts der hohen Kunstdichte in vielen italienischen und auch anderen europäischen Städten wurden vor allem bei ausländischen Touristen, insbesondere bei westeuropäischen und …

L’aperitivo – Italiens schönste Zeit des Tages

Über nichts wird in Italien lieber gesprochen als über das Essen. Und das zu Recht: sind die Mahlzeiten für den Italiener doch die zentralen Rituale, die den Alltag durchbrechen und Zeit für Familie und Freunde schaffen. Das zweite Frühstück in der Bar, das stundenlange sonntägliche Mittagessen bei der Oma und das ausgedehnte Abendessen, bei dem man mit der Familie zusammen den Tag Revue passieren lässt. Und zwischendrin auf jeden Fall eine merenda, die Brotzeit, die meistens süß ausfällt. Ja und dann wäre da noch der Aperitivo, diese wunderbare Erfindung, die die unerträgliche Zeit zwischen Feierabend und Abendessen erträglich macht oder es aufgrund seiner Reichhaltigkeit gleich vollständig ersetzt. Das Wort stammt vom Lateinischen aperire (= öffnen) und erklärt damit schon die Funktion des Aperitifs, nämlich den Magen zu öffnen und auf das Abendessen hinzuführen. Die Art des Aperitifs fällt in den einzelnen Regionen Italiens sehr unterschiedlich aus. Allen gemein ist das Prinzip: Ab dem frühen Abend findet man sich zum geselligen Beisammensein in oder vor den Bars und Kneipen ein. Ob zum recht klassischen Aperitif mit einem Bier oder Cocktail und ein paar Nüssen …

Petaloso – Ein Wort geht durch Italien

Die Grundschullehrerin Margherita Aurora aus dem kleinen Ort Copparo in der Provinz Ferrara staunte nicht schlecht als Ihr Schüler Matteo in einer Arbeit ein Wort verwendete, das es in der italienischen Sprache gar nicht gibt. Matteo beschrieb eine Blume als “petaloso” (reich an Blütenblättern). In den italienischen Wörterbüchern ist dieses Wort nicht zu finden. Grammatikalisch macht es aber durchaus Sinn, denn es setzt sich aus “petalo” (Blütenblatt) und der Endung “-oso” (hier: reich an) zusammen. Eine Vielzahl an Adjektiven wird genau auf diese Weise gebildet. “Hat der 8-jährige Matteo womöglich ein neues Wort ins Leben gerufen?”, fragte sich Lehrerin Margherita und schrieb zusammen mit ihrem Schüler einen Brief an die Accademia della Crusca, die altehrwürdige Institution aus Florenz, die sich dem Studium und Bewahren der italienischen Sprache verschrieben hat. Zu ihrer Überraschung bekamen sie eine ermutigende Antwort. Das Wort sei korrekt gebildet, schön und klar, und könne im Italienischen durchaus verwendet werden. Um offiziell Teil der italienischen Sprache zu werden müsse es jedoch von vielen Menschen gebraucht und verstanden werden, so der Sprachwissenschaftler der Accademia della Crusca. Margherita war überrascht und gerührt von der positiven Antwort und postete Fotos des besagten Briefes und …

Pietrasanta – Schatzkiste der Versilia

An den Fuß der Apuanischen Alpen, etwa 30 km nördlich von Pisa, schmiegt sich ein kleines feines Städtchen namens Pietrasanta. Und es gleicht einer Schatzkiste. Es darf sich mit einer jahrhundertealten Tradition der Bildhauerei und deren großer Namen schmücken: Michelangelo Buonarotti, der polnische Bildhauer Igor Mitoraj, der lateinamerikanische Künstler Fernando Botero – alle sind sie untrennbar mit dieser Stadt verbunden. In Pietrasanta kommt vor allem der Steinbearbeitung große Bedeutung zu, wird in den unmittelbar umliegenden Steinbrüchen von Carrara doch der berühmte Santuario, der weltweit wohl beste Bildhauermarmor gebrochen. Auch der Bronzeguss erfreut sich bei den angesiedelten namhaften Künstlern großer Beliebtheit. Und hat man die umliegenden quirligen Städte wie Lucca, Pisa und Florenz erst einmal hinter sich gelassen, braucht man gewiss nicht lange, um in das besondere Flair dieses zauberhaften Städtchens der Versilia einzutauchen. Ob man sich nun in einer der zahlreichen Galerien der schönen Künste widmet, das Leben auf der Piazza Duomo von einem der einladenden Restaurants aus beobachtet, durch die kleinen Gassen mit ihren stilvollen Boutiquen schlendert oder an der nahe gelegenen gleichnamigen Marina Meeresluft schnuppert- in Pietrasanta kann man die Seele baumeln lassen. Und irgendwie fühlt man sich auch dem Himmel ein …

Tonda Gentile – Die freundliche Runde

Die freundliche Runde wird sie im Italienischen liebevoll genannt und unweigerlich hat man das Bild der fürsorglichen italienischen Mamma vor sich. Aber weit gefehlt! Bei der Tonda Gentile handelt es sich um eine Nuss. Natürlich nicht um irgendeine. Nein, sie gilt als die beste Haselnuss der Welt. Die unvergleichbar aromatische Nuss stammt aus einer besonders fruchtbaren Region Italiens, dem Piemont. Die Ernte erfolgt gegen Ende August, wenn die Früchte vollständig reif sind und sich vom Tragblatt lösen. Zu diesem Zeitpunkt haben sie ein besonders hohes Gewicht und einen geringen Feuchtigkeitsanteil. Dank ihrer runden Form und der dünnen Haut ist die Tonda Gentile leicht zu schälen. Ihr vergleichsweise niedriger Fettgehalt ermöglicht längere Haltbarkeit. Der mild aromatische Geschmack und das himmlische Aroma nach der Röstung machen sie so einzigartig und damit auch zu einem der beliebtesten Rohstoffe der Süßwarenindustrie. 1946 hatte ein gewisser Pietro Ferrero die Idee, die Nocciola Piemonte zusammen mit Zucker und Kakao zu einem süßen Laib, dem sogenannten Giandujot, zu verarbeiten und schuf damit den Vorläufer einer der beliebtesten Leckereien überhaupt, dem Nutella. Am liebsten wird die freundliche Runde jedoch von uns, von Hand und mit viel Liebe verarbeitet…. [wc_divider …