Alle Artikel in: Kunst & Kultur

Darf ich vorstellen? Umarell

Außerhalb Italiens werden die meisten diesen Begriff noch nie gehört haben. Sobald man aber den neuen Zingarelli (Wörterbuch der italienischen Sprache) zur Hand nimmt und sich die unter dem Neologismus „umarell“ eingetragene Definition durchliest, weiß man sofort wer gemeint ist: „Ein an Baustellen herumtigernder Rentner, meist mit den Händen auf dem Rücken, der kontrolliert, Fragen stellt, Empfehlungen gibt und die dort stattfindenden Arbeiten kritisiert.“ Das Wort ist dem bolognesischen Dialekt zuzuschreiben und stammt vom Italienischen „omarello“/„ometto“ (Männchen).

Petra Reski – Als ich einmal in den Canal Grande fiel

Petra Reski hielt Venedig für überschätzt… bis sich ihr 1991 ein Venezianer in den Weg warf. Seitdem lebt die Journalistin und Schriftstellerin in Venedig und schreibt über Italien. Entschlossen berichtet sie über die Mafia, besonders über die in Deutschland. Geschickt durchleuchtet sie den „Thriller“ um das sogenannte Killerbakterium Xylella, das angeblich für das Vertrocknen jahrhundertealter Olivenbäume in Apulien verantwortlich ist. Und sie kämpft unermüdlich gegen den Ausverkauf ihrer Herzensstadt Venedig. Ihr neues Buch „Als ich einmal in den Canal Grande fiel“ ist ein schonungsloser Bericht über die Plünderung der Lagunenstadt, ein Aufruf zum Widerstand und vor allem eine Liebeserklärung an eine der schönsten Städte der Welt.

Daniel Speck – Piccola Sicilia

Als hätte er das weiche, wärmende Sonnenlicht aus Tunesien direkt mit nach Heidelberg gebracht… Der Herbst zeigt sich von seiner goldenen Seite als ich Daniel Speck zwei Jahre nach der Veröffentlichung von „Bella Germania“ wiedersehe, als er die Herzen seiner deutschen und italienischen Leser im Sturm eroberte. Nun ist er zurück, mit einer neuen Geschichte, die ganz anders ist und sich dennoch so schön vertraut anfühlt. Daniel Specks Figuren der Gegenwart nehmen uns mit auf eine Reise in ihre Vergangenheit, die nicht nur fesselt, weil sie spannend erzählt ist, sondern weil sie durchaus auch unsere sein könnte und weil sie aktueller denn je ist. Er bringt uns erneut ein Stück Zeitgeschichte näher, das wir bereits zu kennen glaubten… bis wir „Piccola Sicilia“ in die Hand nehmen und nicht mehr weglegen können.

Loro – Die Verführten

Italien 2006 – 2010: „Alles dokumentiert. Alles willkürlich.” (Giorgio Manganelli) Abgewählt und ausgebrannt schmiedet Silvio Berlusconi in seinem goldenen Käfig auf Sardinien Pläne zur Rückkehr an die Macht. Seine Frau Veronica empfindet schon längst keine Bewunderung mehr für ihn und versucht mit allen Mitteln, ihre Würde zurückzuerlangen. Der Polit-Greis Santino Recchia spekuliert darauf, Berlusconi als Führer des Mitte-Rechts-Bündnisses abzusägen. Und der Kleinkriminelle Sergio Morra will endlich aus der apulischen Provinz ausbrechen und mit Hilfe seiner koksenden Callgirl-Eskorte in den Dunstkreis der Schönen und Mächtigen vordringen. Nein, es ist kein Film über Silvio Berlusconi. Dieser betritt, verkörpert durch den charmant-witzigen und extrem wandelbaren Toni Servillo, erst nach 40 Minuten die Kinoleinwand. Der Zuschauer hat in dieser Zeit schon längst verstanden, worum es geht: Es geht um sie („loro”), um diesen Mikrokosmos der Verführten, der den Machtmenschen Berlusconi umgibt. Um eine Parallelwelt, die verstört und fasziniert zugleich. Loro, das sind aber auch sie, die Italiener, die sich den leeren Versprechungen ihres Traumverkäufers stets aufs Neue hingeben und einem Mann folgen, für den Politik und unternehmerischer Größenwahn auf …

Italien innovativ: Ein Haus aus dem Drucker

Mailand enthüllt ein Stück Zukunft und präsentiert auf der Piazza Beccaria im Rahmen der weltweit wichtigsten Möbelmesse Salone del Mobile das erste von einem 3D-Drucker erschaffene Haus seiner Art  Ein Haus mit etwa 100 qm, ein Wohnbereich, Schlafzimmer, Küche und Bad. Nachhaltig, an einen beliebigen Ort versetzbar und günstiger als ein gewöhnliches Haus. Bau- oder besser Druckzeit circa 2-3 Wochen. Zukunftsmusik? Ganz im Gegenteil … Unter dem Motto “Technology meets Humanity” arbeiteten das Ingenieurbüro Arup und CLS Architetti mit dem Stararchitekten Massimiliano Locatelli in den vergangenen zwei Jahren mit ihrem Projekt 3D Housing 05 an einer ganz neuen Form des Wohnens. Damit sollen sich flexible und nachhaltige Bauwerke in kurzer Zeit und zu geringen Kosten realisieren lassen. Die für die 3D-Technologie geeignete und schnell härtende Betonmischung entwickelte ein Team von Spezialisten aus dem Innovationslabor i.lab des in Bergamo ansässigen Baustoffherstellers Italcementi. Durch spezielle Düsen, die auf einen von der Firma Cybe konstruierten 3D-Druckroboter aufgesetzt werden, wird das Material in die gewünschte Form gespritzt. Auf diese Weise entstehen Schicht für Schicht die Wände des Hauses. Dach, Fenster, Türen und die Gebäudetechnik werden ergänzt, wenn das Material ausgehärtet ist. http://3dhousing05.com/img/video2.mp4 Massimo …

Neun Geheimnisse Mailands

Ein Gastbeitrag von Stefanie Claus. Mailand, vielleicht die lebendigste Metropole Italiens, ist herrlich wandelbar und steckt voller Überraschungen. Die Hauptstadt der Lombardei hat sich gerade eine neue Skyline zugelegt und lohnt nicht nur deshalb eine Entdeckungsreise. Hier sind neun Tipps für eine Stadt, die viele zu Unrecht für hässlich halten.

Heiliges Theater

Thomas Huber über neapolitanischen Trubel und weihnachtliche Stille Mit Thomas verbindet mich die Leidenschaft für den Rock’n’Roll-Sport. Aus Konkurrenz auf dem Parkett wurde vor vielen Jahren eine wunderbare Freundschaft. Heute lebt sie auf, denn auch Thomas treibt die Sehnsucht nach Italien, eine ganz besondere sogar … Thomas, du pflegst ein seltenes Hobby, den Krippenbau. Wie kam es dazu und was fasziniert dich daran? Für mein Alter ist es in der Tat ein seltenes Hobby. Der durchschnittliche Krippenbauer ist Rentner, wenn man die Entwicklung in den Krippenvereinen betrachtet. Ich war als Kind schon von der Krippe fasziniert, keine Krippe innerhalb der Verwandtschaft war vor mir sicher. Durch die Betreuung der Kirchenkrippe in Abensberg seit 1997 hat sich das Hobby zu einem wichtigen Bestandteil in meinem Leben entwickelt. Den Ausdruck „Berufung“ mag ich zwar nicht, er ist jedoch recht treffend für mich. Das Spannende am Krippenbau ist, dass ich es nicht als Spielerei, sondern als eine Kunstform ansehe. Die Krippe ist die Darstellung einer Geschichte in 3 D, eine Szene ist an einem bestimmten Moment festgehalten. Meine Definition …

Claudio Bandelli – Prima di dormire

Es gibt Worte, die einer anderen Sprache nicht vorenthalten werden sollen. Worte, die einfach schön sind. Sie drücken aus, was wir fühlen. Sie klingen, als wären Sie Musik. Sie sind da um ihrer selbst willen. Nicola Pecci liest und interpretiertClaudio Bandelli „Prima di dormire“ Vor dem Einschlafen Die Konsequenzen von Sentimentalität können teuflisch sein. Man sollte die Augenblicke belassen, wie man sie erlebt hat, nie versuchen, sie zu wiederholen, noch einmal zu durchleben … (Heinrich Böll) Vor dem Einschlafen widerfährt es mir oft, dass ich mir diese Frage stelle: Denkt sie immer noch an mich? Die Antwort kenne ich nicht, aber ich nehme es schon an. Ich denke gerne daran, dass, auch wenn sie alles tut, um mich zu vergessen, sie ein Gegenstand, ein Satz, ein Geruch ganz plötzlich zu mir zurückbringt, ein kurzer Moment, ein flüchtiger Blick, ohne zu fokussieren, ohne es genau zu verstehen. Und dann denke ich: Wen kümmert es schon! Im Grunde ist es total egal, ob sie an mich denkt oder nicht. Was zählt ist, dass sie nicht hier ist. Also lasse …

Azzurro – Die Italo-Pop-Revue

Vor ein paar Monaten sprach ich HIER bei Italiensehnsucht mit Rocky Verardo, dem Frontmann der Band I Dolci Signori. Er erzählte mir von einem ganz besonderen Projekt, über das er damals jedoch noch nicht so viel verraten durfte. Am vergangenen Samstag war es nun endlich soweit und ich konnte mir das wunderbare Ergebnis einer vor langer Zeit entstandenen Idee ansehen. Unsere Italo-Pop-Geschichte beginnt bei Mamma Maria in Süditalien, am rot-weiß-kariert gedeckten Küchentisch. Rocky erhält einen Brief aus Amerika von seiner großen Liebe Gloria, dem schönsten Mädchen seines Dorfes, dessen Heirat mit dem amerikanischen Banker Johnny kurz bevorsteht. Zu verhindern wäre dies nur, wenn Rocky innerhalb von kurzer Zeit schlappe 17.952 Dollar locker machen könnte. Da erinnert sich der Nonno, überzeugend in Szene gesetzt von Richie Necker, dessen schauspielerisches Talent den I Dolci Signori Fans bereits bestens bekannt sein dürfte, an die Goldenen Siebziger, wo in Gelsenkirchen das Geld auf der Straße und in den Steinkohlestollen lag. Schnell ist die Vespa mit dem “Nötigsten” bepackt und zu den flotten Klängen von Lunapops Vespa 50 Special geht’s auf nach Gelsenkirchen! Beim ersten Stopp …

Il Museo dell’Opera del Duomo

Nach mehrjährigen Um- und Ausbauarbeiten öffnete das Dommuseum in Florenz vor knapp anderthalb Jahren wieder seine Pforten. Höchste Zeit, es endlich zu besuchen! Auf rund 6000 qm und 3 Stockwerken dokumentiert es den Wandel des Florentiner Doms Santa Maria del Fiore vom Mittelalter bis zur Hochrenaissance. Allgegenwärtiges Zentrum des Museums ist eine originalgetreue Rekonstruktion der Domfassade nach dem Entwurf von Arnolfo di Cambio aus dem späten 13. Jahrhundert, die im 16. Jahrhundert im Rahmen eines Stadterneuerungsprogramms abgetragen wurde. Heute erstrahlt sie in voller Pracht und Größe nur wenige Meter von dem Ort, wo sie sich einst befand. Ihr gegenüber erhebt sich, einst und heute, das Baptisterium San Giovanni in Form seiner Originalpforten nach den Entwürfen von Lorenzo Ghiberti und Andrea Pisano, die bereits vor einigen Jahren Schutz im Museum gefunden haben. Man wandelt sozusagen im Paradies, wie der Platz zwischen einer Taufkapelle und der zugehörigen Kirche nach alter christlicher Tradition genannt wurde, in Anspielung an die Freude, die die frisch Getauften in Erwartung ihrer ersten heiligen Kommunion dort empfanden. Das erste Stockwerk widmet sich Brunelleschis Kuppel, deren Entstehung mit Videomaterial und …

Nicola Pecci – Toscano DOC

Nicola, für mich warst du immer Schauspieler und Liedermacher … jetzt auch Schriftsteller? Das ist sehr freundlich, aber ich würde mich nun wirklich nicht als Schriftsteller bezeichnen. Sagen wir so, die Begegnung mit dem Schreiben eines Buches ist aus einer Notwendigkeit heraus entstanden und war alles andere als ein Spiel: unterhaltsam ja, aber auch sehr anstrengend. Nicola Pecci mit einem einzigen Wort zu beschreiben ist fast unmöglich – wenn überhaupt, dann mit vielseitig. Er ist Theaterschauspieler, Sänger, Liedermacher, ein bisschen Schriftsteller und noch vieles mehr. Er lebt in Vaiano, in der Nähe von Florenz, wo er auch aufgewachsen ist. Uns verbindet eine lange Freundschaft und die Gemeinsamkeit, das Schöne in Worten zu finden. Nicola, vor einigen Jahren lernten wir uns bei einem Konzert mit Deiner früheren Band I Tre Toni Fuori kennen. Im Bebop, einem der damals beliebtesten Live-Musik-Clubs von Florenz. Seitdem ist viel passiert, Du hast verschiedene Formen der darbietenden Kunst kennengelernt und ausprobiert. Heute bist Du vor allem auf den toskanischen Theaterbühnen zu Hause. Wo nahm dieser Weg seinen Anfang? Ich kann mich glücklich schätzen, …

Die Befana kommt bei Nacht …

Gespannt sehen die kleinen Italiener dem Dreikönigstag entgegen! Denn an dessen Vorabend legen sie vor dem Schlafengehen einen Strumpf für die Befana bereit: in der Hoffnung, ihn am nächsten Morgen reichlich gefüllt vorzufinden. Das Wort Befana leitet sich von Epifania ab, dem italienischen Begriff für das Dreikönigsfest. Bei der Befana handelt es sich um eine freundliche Hexe, die in der Nacht zum Dreikönigstag auf ihrem Besen ihre Runde dreht, durch die Kamine der Häuser steigt und die Strümpfe der Kinder mit Süßigkeiten füllt. Oder mit Kohle, was davon abhängt, wie bravo/a der oder die Kleine im vergangenen Jahr war.

Daniel Speck – Bella Germania

Als ich Daniel Speck an einem zapfig kalten Winternachmittag in seiner Heimatstadt München treffe, weiß ich ehrlich gesagt nicht so genau, wo ich mit meinen vielen Fragen überhaupt anfangen soll. Schon als ich das Päckchen vom Fischer Verlag ein paar Tage zuvor zu Hause öffnete und dieses dicke Bündel Buch im gelungenen Retrodesign in der Hand hielt, ahnte ich leise, dass dieser Roman meine Italiensehnsucht für eine Weile stillen könnte. Wie sehr mich Daniel Specks Debütroman berührt, das wusste ich spätestens nach den ersten paar Seiten.

Der Poet von Polignano

Durch die Gassen von Polignano a Mare zu streifen, ist ein wenig wie ein Poesiealbum zu durchblättern. Über das ganze süditalienische Städtchen hinweg verteilt ziert dieselbe Handschrift Mauern, Treppen, Türen und vieles mehr. Auch bewegliche Gegenstände werden nicht verschont. Hinter diesen Zitaten, Versen und Lebensweisheiten verbirgt sich Guido il Flâneur, wie er sich selbst nennt. Polignano a Mare steht für eine historische Alststadt mit malerischen Gässchen, schicken Boutiquen, modernen Bars, landestypischen Restaurants und schließlich und vor allem für sein Panorama, das einem besonders in den frühen Abendstunden den Atem stocken lässt.

Rocky Verardo – Der Mann mit der starken Stimme

Ein lauer Sommerabend neigt sich dem Ende zu, die Lichter auf der Bühne gehen aus, die letzten Gläser sind geleert und mit einem Lächeln auf den Lippen verlassen die Besucher das Fest. Man hätte noch ewig so weiterschunkeln, tanzen und trällern wollen, zu den Klängen, die unsere große Sehnsucht nach Italien wecken … Seit ihrem Debut 2002 versprühen I Dolci Signori das italienische Lebensgefühl in ganz Deutschland. Musica, passione, emozione – das ist das Motto der sechs Spitzenmusiker, die sich in nahezu unverändert Form Jahr für Jahr ein wenig mehr in die Herzen ihrer Fans gespielt haben. Sie glänzen durch ihre musikalische Professionalität, Authentizität und vor allem durch ihre große Spielfreude. Liebe Italienfreunde, heute habe ich die Ehre, Euch meinen lieben Freund Rocky Verardo vorzustellen, Frontmann von I Dolci Signori und waschechter Süditaliener. Rocky, Du bist „der Mann mit der starken Stimme“ von I Dolci Signori, einer der erfolgreichsten Italo-Pop-Bands in Deutschland. Wir haben uns in Eurem Gründungsjahr 2002 kennengelernt. Seitdem verbreitet Ihr das süditalienische Lebensgefühl in ganz Deutschland und oft auch über seine Grenzen hinaus.  Aber fangen wir bei Dir an. Woher in Italien stammst du und was hat dich bewegt nach Deutschland zu kommen?   Ich komme aus Apulien, …

Der erhabene Kopf des David von Michelangelo, vor einem strahlend blauen Himmel mit zarten weißen Wölkchen

Verrückt vor Schönheit – Das Stendhal-Syndrom

„Ich habe mich in eine Statue verliebt. “So lautet der Titel einer von Graziella Magherinis zahlreichen Publikationen. Dabei bezieht sie sich auf die in vielen Augen schönste Statue der Welt, den David von Michelangelo. Die damalige Leiterin der psychosomatischen Abteilung des Krankenhauses Santa Maria Nuova von Florenz beschrieb in einer 1989 veröffentlichten wissenschaftlichen Studie das sogenannte Florenz- oder Stendhal-Syndrom. Es handelt sich um eine psychosomatische Störung, die im Zusammenhang mit kultureller Reizüberflutung auftritt. Im Jahr 1817 dokumentierte Marie-Henri Beyle, eben dieser Stendhal, das Phänomen wohl zum ersten Mal.

Petaloso – Ein Wort geht durch Italien

Die Grundschullehrerin Margherita Aurora aus dem kleinen Ort Copparo in der Provinz Ferrara staunte nicht schlecht als Ihr Schüler Matteo in einer Arbeit ein Wort verwendete, das es in der italienischen Sprache gar nicht gibt. Matteo beschrieb eine Blume als „petaloso“ (reich an Blütenblättern). In den italienischen Wörterbüchern ist dieses Wort nicht zu finden. Grammatikalisch macht es aber durchaus Sinn, denn es setzt sich aus „petalo“ (Blütenblatt) und der Endung „-oso“ (hier: reich an) zusammen. Eine Vielzahl an Adjektiven wird genau auf diese Weise gebildet. „Hat der 8-jährige Matteo womöglich ein neues Wort ins Leben gerufen?“, fragte sich Lehrerin Margherita und schrieb zusammen mit ihrem Schüler einen Brief an die Accademia della Crusca, die altehrwürdige Institution aus Florenz, die sich dem Studium und Bewahren der italienischen Sprache verschrieben hat. Zu ihrer Überraschung bekamen sie eine ermutigende Antwort. Das Wort sei korrekt gebildet, schön und klar, und könne im Italienischen durchaus verwendet werden. Um offiziell Teil der italienischen Sprache zu werden müsse es jedoch von vielen Menschen gebraucht und verstanden werden, so der Sprachwissenschaftler der Accademia della Crusca. Margherita war überrascht und gerührt von der positiven Antwort und postete Fotos des besagten Briefes und …

Warum Italienisch lernen? – Aus Liebe!

In der Geschäftswelt trifft man nicht ganz so häufig auf Italienisch, im Toskanaurlaub kommt man sehr gut mit Englisch oder Deutsch zurecht und die am weitesten verbreitete romanische Sprache ist Spanisch. Warum also Italienisch lernen? Drei ganz besondere Italienkenner verraten es uns … Beppe Severgnini Leitartikler des Corriere della Sera, Journalist der New York Times, Träger des Verdienstordens der Italienischen Republik, Tifoso von Inter Mailand und Autor diverser Bücher mit denen er professionell und humorvoll die italienische Kultur erklärt. “Aus einem ganz einfachen Grund. Niemand zweifelt daran, dass die wichtigste Sprache Englisch ist. Aber es geht darum, eine Sprache zu wählen, die man liebt. Ich kenne viele Menschen, die beschlossen haben Deutsch zu lernen, weil sie es sehr lieben. Ich glaube, dass auch und vor allem das Italienische eine Frage der Liebe ist. Das kann die Liebe zu einer Person, einer Stadt, einer Reise, zur Kunst oder zum Geruch der Luft sein. Die Wahrheit ist, dass Italien ein Land ist, dem man sich aus Liebe nähert und aus keinem anderen Grund. Dasselbe gilt auch für die Sprache.” Quelle: …

Il Civaiolo – Ein altes florentinisches Metier

Die meisten Italiener werden Sie fragend ansehen wenn Sie den Begriff Civaiolo erwähnen, denn er ist eng mit der Stadt Florenz und seiner Tradition verbunden. Es handelt sich um ein altes Metier und würde in der wörtlichen Übersetzung in Hülsenfrüchteverkäufer münden. Le civaie sind Hülsenfrüchte und essentieller Bestandteil der toskanischen Küche. Doch sie sind bei Weitem nicht alles, was der Civaiolo von gestern und heute zu bieten hat: Gewürze, Kräuter und kandierte Früchte zieren das farbenfrohe Warenangebot genauso wie Haushaltswaren, Gartenartikel, Schlüssel, Tiernahrung und Regenschutz. Es gibt nichts was es nicht gibt. Aber vor allem bekommt man dort genau das, was man in der viel beklagten Wegwerfgesellschaft so sehr vermisst. Beim Betreten eines Civaiolo stolpert man förmlich über die Säcke voller offener Hülsenfrüchte, die sich auf diese Weise am besten und längsten halten. Jeder Einkauf wird von einem netten kleinen Plausch begleitet und  höchstwahrscheinlich hat man vor Verlassen des Ladens auch noch Rezepte und Küchengeheimnisse ans Herz gelegt bekommen, die in keinem Kochbuch zu finden sind. Denn fernab von Plastikverpackungen und Fertigprodukten hat man hier noch die Gelegenheit, genau die richtige Bohne, die passende Reissorte …