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Eine Begegnung, eine Erinnerung

Lorenzo Curradi sitzt im Publikum und verfolgt mit großer Aufmerksamkeit die Präsentation über unsere Kulturvereinigung. Am Ende steht er auf und kommt auf mich zu. Er habe Kindheitserinnerungen, von denen er mir gerne erzählen würde… Wir befinden uns in der Mitte der 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Ich bin sechs oder sieben Jahre alt und wohne in der Via dei Fossi n. 1. Ich warte darauf, dass mich mein Opa abholt und wir zu ihm nach Hause gehen. Er wohnt wenige hundert Meter entfernt, in der Via Santa Monaca, auf der anderen Seite des Arno. Und da ist Nonno Turiddu!

Auf dem Bild sieht man ein Türchen, das sich nach außen öffnen lässt.

Nicht hinter jedem Türchen steckt ein Weinloch

Auf einen ersten, flüchtigen Blick sehen sie tatsächlich aus wie Weinlöcher. Sie sind bogenförmig, verfügen über ein Türchen oder die Reste eines solchen, wie etwa Scharniere. Sie befinden sich auf Körperhöhe an den Fassaden mehr oder weniger herrschaftlicher Gebäude oder unter Gewölbebögen, die in eine Gasse oder Straße führen. Meist sind sie jedoch kleiner als die uns bereits bekannten Öffnungen. Wir haben es hier nicht mit Weinfensterchen zu tun, sondern mit einer Art Wartungsschacht. Durch diesen konnte ein Seil oder ein Seilzug eine an der Fassade angebrachte Öllampe nach oben und unten befördern. Dabei handelte es sich in den meisten Fällen um die Votivlampe eines Schreins oder einer Heiligendarstellung.

Das Weinloch in der Via del Giglio ist kunstvoll gemauert und trägt die Inschrift Vendita di Vino. Er verfügt über ein dunkelbraunes Holztürchen und sitzt direkt unter einem Fenstersims.

Die Weinlöcher von Florenz

Bei den sogenannten buchette del vino (kleine Weinlöcher) handelt es sich um Maueröffnungen an den Fassaden der Häuser und Palazzi. Zum Teil sind sie heute noch mit Holztürchen verschlossen. Sehr viele sind zugemauert oder mit mehr oder weniger schönen Malereien versehen. Andere wiederum wurden zu weiteren, teils äußerst kreativen Zwecken umfunktioniert. Ihr ursprünglicher Zweck war übrigens ein angenehm nahe liegender: Die in Florenz lebenden Weinproduzenten verkauften durch diese Türchen ihren Wein. Dieser wurde im toskanischen Umland angebaut und auf diese Weise direkt vom Produzenten an den Konsumenten verkauft.